Gesunder Schlaf für fitte Pferde

Foto: Dr. Sandra Kuhnke

Arttypisches Ruheverhalten ist für das Wohlbefinden von Pferden wichtig. Gesunde Pferde ruhen sechs bis neun Stunden pro Tag über mehrere Phasen verteilt. Das Liegen macht dabei nur einen kleinen Teil aus. Dr. Sandra Kuhnke, Landwirtschaftskammer NRW, gibt einen Überblick zu möglichen Symptomen und Folgen von Schlafmangel bei Pferden.

 

Es gibt drei Intensitätsstufen des Ruhens: das Dösen im Stehen, den Schlaf in Brust- oder Bauchlage und den tiefen Schlaf in Seitenlage. Die tägliche Schlafdauer beträgt drei bis fünf Stunden. Der sogenannte REM-Schlaf findet nur in Seitenlage statt. Eine Phase dauert durchschnittlich rund vier Minuten. Hierbei ist der Muskeltonus stark he­rabgesetzt. Es erfolgen schnelle Augenbewegungen bei einer hohen Gehirnaktivität. Als Fluchttiere versuchen Pferde vollständig auf den REM-Schlaf zu verzichten, wenn sie sich in ihrer Umgebung nicht sicher fühlen. Dies zeigten Untersuchungen zu Narkolepsie bei Pferden im Rahmen zweier Dissertationen.

 

Vielfältige Symptomevon Schlafmangel

 

Schlafmangel in den Untersuchungen äußerte sich zum Beispiel so, dass die Pferde beim Ruhen im Stehen schwankten, einknickten oder gar zu Boden stürzten. Zunächst wurden diese Symptome als Narkolepsie eingestuft. Nähere Untersuchungen machten jedoch deutlich, dass die Pferde an REM-Schlafmangel litten. Sie legten sich zum Schlafen nicht hin, fielen im Stehen in den REM-Schlaf und kollabierten aufgrund des herabgesetzten Muskeltonus. Auch tagsüber zeigten sich die betroffenen Pferde häufig schläfrig, teils mit apathischen oder auch leicht reizbaren Wesensveränderungen. Ähnliche Beschwerden zeigen häufig auch Menschen mit Schlafstörungen.

 

Kommen Pferde über längere Zeit nicht ausreichend zur Ruhe, werden Auswirkungen auf das Verhalten und die Gesundheit sichtbar. Als Folgen zeigten sich in den Untersuchungen ernsthafte gesundheitliche Probleme wie ein geschwächtes Immunsystem, Stressreaktionen, Verhaltensauffälligkeiten sowie eine deutliche Reduktion der Leistung und Lebensqualität der betroffenen Pferde. Infolge der Stürze kam es häufig zu Verletzungen zum Beispiel der Fessel- und Karpalgelenke, die zum Teil schwerwiegend ausfielen.

 

Ursachen für Schlafmangel

 

Schlafmangel wird bei Pferden häufig durch Stress verursacht und insbesondere nach Stallwechseln beobachtet. Dies kann in jedem Haltungssystem auftreten. Rangordnungskonflikte innerhalb der Gruppenhaltung, eine unruhige Umgebung, zu kleine Liegeflächen in der Einzelhaltung oder auch ungeeignete Untergründe und Einstreu konnten oftmals als Ursache identifiziert werden.

 

Doch auch gesundheitliche Probleme mit Schmerzen können dazu führen, dass die betroffenen Pferde sich nicht mehr zum Schlafen ablegen. Leiden in einem Bestand mehrere Pferde unter Schlafmangel, sind die Ursachen meist im Haltungsumfeld und Stallmanagement zu finden.

 

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