Die Gewinnspannen der Getreide- und Ölsaatenerzeuger sind nach Einschätzung des Internationalen Getreiderates (IGC) trotz der im Vergleich zu den Erzeugerpreisen überproportional gestiegenen Düngemittelpreise weiterhin attraktiv. Allerdings könnten die Landwirte als Folge der aktuellen Knappheit von Düngemitteln am Weltmarkt ihre Furchtfolgepläne ändern. Möglich sei zum Beispiel die Umstellung auf den Anbau von Sojabohnen und anderen Hülsenfrüchten, die mit Hilfe von Knöllchenbakterien Stickstoff aus der Atmosphäre aufnehmen und im Boden fixieren könnten. Zudem bewegten sich die Erzeugerpreise für Sojabohnen und Mais auf einem attraktiven Niveau.
Die Auswirkungen der Düngemittelknappheit auf die Ernteaussichten 2022/23 sind nach Ansicht des IGC noch ungewiss. Wenn die Landwirte wegen der höheren Düngemittelpreise weniger düngten, würde sich dies aber wahrscheinlich negativ auf die Erträge auf dem Acker auswirken. Auch die Folgen der höheren Inputkosten auf die Getreidepreise sind den Londoner Experten zufolge wegen der zahlreichen Faktoren, die bei der Preisbildung sowohl auf der Angebots- als auch auf der Nachfrageseite eine Rolle spielen, höchst unsicher. Allerdings könnte die kaum pro-gnostizierbare Entwicklung der Inputkosten die Bereitschaft der Landwirte zu Terminverkäufen ihrer Ackerfrüchte einschränken. In der Folge würde die Warenbeschaffung des Handels und der Exporteure erschwert, sodass die Volatilität an den Getreide- und Ölsaatenmärkten steigen könnte.