Im gesamten rheinischen Zuckerrübenanbaugebiet protestieren zurzeit Rübenanbauer für eine rasche Kurskorrektur der deutschen und europäischen Agrarpolitik. Gekoppelte Rübenbeihilfen und Pflanzenschutzmittelzulassungen sollten aus ihrer Sicht EU-weit einheitlich geregelt sein. Wie der Rheinische Rübenbauer-Verband (RRV) am vergangenen Freitag in Bonn mitteilte, fanden erste Aktionen in Polch, Würselen und Niederkassel statt. Mindestens 13 weitere Veranstaltungen sollen folgen.
Als Gründe nennt der Verband agrarpolitisch verursachte Wettbewerbsnachteile für die heimischen Anbauer, die nach Einschätzung ihres Vorsitzenden Bernhard Conzen existenzbedrohend sind. „Noch nie sind die Produktionsbedingungen in der EU so uneinheitlich gewesen“, kritisierte der Vorsitzende. So seien deutsche und damit rheinische Zuckerrübenanbauer massiv benachteiligt durch Beihilfen für den Anbau von Zuckerrüben in elf von 19 EU-Staaten. Hiesige Rübenanbauer erhielten nämlich keine gekoppelten Rübenbeihilfen. Erschwerend hinzu kämen große Unterschiede bei den Pflanzenschutzmittelzulassungen. Zudem dürften die in der Gemeinschaft eigentlich verbotenen neonikotinoidhaltigen Rübenbeizen zur Bekämpfung virusübertragender Blattläuse per Notfallverordnung in mittlerweile zwölf EU-Staaten weiter eingesetzt werden. Indes lehne das Bundeslandwirtschaftsministerium dies strikt ab, obwohl die betreffenden Beizen im Zuckerrübenanbau nicht gleichwertig ersetzbar seien und der Verzicht darauf Ertrags- und Einkommenseinbußen verursache. Sogar an Gunststandorten wie dem Rheinland seien diese Nachteile, die sich auf mehr als 500 € pro ha beliefen, nicht auszugleichen.
Der RRV hob im Rahmen der Aktionen hervor, dass das Rheinland eines der traditionsreichsten und das wettbewerbsstärkste Rübenanbaugebiet Europas sei. Dort bauten rund 3 800 Landwirte auf etwa 50 000 ha Zuckerrüben an.