Die Mitgliedstaaten der EU entschieden am Dienstag im Berufungsausschuss erneut über den Pflanzenschutzmittelwirkstoff Glyphosat. Sie sprachen sich dabei zwar nicht mit qualifizierter Mehrheit für eine Zulassungsverlängerung aus, der Herbizidwirkstoff bleibt aber für ein weiteres Jahr zugelassen. Die bisherige Zulassung läuft am
15. Dezember aus. Die erneute Abstimmung war notwendig, da es Mitte Oktober im Ständigen Ausschuss der EU-Kommission für Pflanzen, Tiere, Lebensmittel und Futtermittel keine Mehrheit für oder gegen eine Verlängerung der Wirkstoffzulassung gegeben hatte. Nachdem die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) erklärt hatte, ihre abschließende Neubewertung von Glyphosat voraussichtlich erst im Juli 2023 vorlegen zu können, schlug die Kommission zunächst eine einjährige Verlängerung vor. „Die formale Verlängerung um ein Jahr ist leider notwendig, damit die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit ihr Gutachten zur Sicherheit von Glyphosat fertig stellen kann. Ich hoffe, dass die EFSA diese Zeit gut nutzen wird, um wirklich alle kritischen Punkte, zum Beispiel ob Glyphosat krebserregend ist und ob die Umweltauswirkungen von Glyphosat nicht weitaus größer sind als bisher gedacht, zu begutachten“, kommentierte Martin Häusling, agrarpolitscher Sprecher der Grünen im Europäischen Parlament und Mitglied im Umwelt- und Gesundheitsausschuss.