„Gute Rahmenbedingungen“ will NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen den Bauern in ihrem Zuständigkeitsbereich verschaffen. Mit dieser zentralen Botschaft richtete sich die Ressortchefin am Freitag vergangener Woche in Düsseldorf bei einem ersten Treffen an die Vertreter mehrerer Branchenverbände. „Unsere Landwirtinnen und Landwirte vollbringen große Leistungen für die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln“, erklärte die CDU-Politikerin. Diese Leistungen gelte es zu würdigen. Nie zuvor sei es wichtiger gewesen, gemeinsam für mehr Planungssicherheit zu sorgen, gerade im Zeichen des andauernden Ukraine-kriegs und seiner Folgen für die europäischen Agrar- und Rohstoffmärkte.
Mit Blick auf die Bauernproteste in den angrenzenden Niederlanden erklärte Gorißen, gebraucht würden jetzt zukunftsweisende Lösungen für eine umweltgerechte und wettbewerbsfähige Landwirtschaft. Angesichts der verschärften Welternährungskrise könnten 2023 nicht EU-weit zusätzliche Flächen aus der Produktion genommen werden. Mehr Klimaschutz und Effizienz in der Landwirtschaft verspricht sich die Ministerin unter anderem von Künstlicher Intelligenz und digitalen Technologien. So könnten Wirkstoffe präziser ausgebracht und sensible Gebiete besser geschützt werden. Die Digitalisierung könne auch dabei helfen, Bürokratie und Verwaltungsarbeit abzubauen.
Der Präsident des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes (RLV), Bernhard Conzen, erklärte, der Veränderungsdruck, der auf der Landwirtschaft laste, sei gewaltig. „Was passiert, wenn gesetzliche Vorgaben mit der Brechstange und ohne die angemessene Berücksichtigung der Interessen der Betroffenen umgesetzt werden, sieht man derzeit in den Niederlanden“, so Conzen. Das müsse in NRW verhindert werden. Damit Veränderungen ohne Strukturbrüche und wirtschaftliche Nachteile vollzogen werden könnten, würden neben „vernünftigen fachlichen und zeitlichen Vorgaben auch zielgerichtete Förderprogramme gebraucht. Laut Ansgar Tubes vom Verein „Land sichert Versorgung“ stehen viele Landwirte in NRW „mit dem Rücken zur Wand“. Was der Bund gegenwärtig anbiete, reiche „vorn und hinten nicht“. Insbesondere Junglandwirte sähen schwierigen Zeiten entgegen, weil ihnen Planungssicherheit fehle.
AgE