Derzeit herrscht reges Treiben auf den Feldern und Straßen, es wird gedroschen, gepresst, neu gepflanzt und, wo es möglich ist, auch beregnet. Gleichzeitig laufen die Abschlussprüfungen für die zukünftigen Fachkräfte in der Landwirtschaft.
Grüne Berufe sind vielfältig. 14 sind es an der Zahl. Vom Forstwirt über die Fachkraft Agrarservice und die Milchtechnologin bis zur Pferdewirtin ist es ein weites Feld. Der überwiegende Teil – nämlich zwei Drittel der gut 2 500 Berufsanfänger in den grünen Berufen – lässt sich aber zum Gärtner beziehungsweise zur Gärtnerin ausbilden, sie verteilen sich auf sieben Fachrichtungen, darunter Obst- oder Gemüsebau, Baumschulen, Garten- und Landschaftsbau oder Friedhofsgärtnerei. An zweiter Stelle steht in Nordrhein-Westfalen dann der Beruf Landwirt/Landwirtin: Hier gibt es relativ konstant 500 Berufsanfänger jedes Jahr.
Diese Gruppe ist ebenso stark vom Wandel betroffen wie die Betriebe selbst: Mittlerweile kommen 50 % der Auszubildenden in der Landwirtschaft nicht mehr vom Hof, etwa 25 % sind weiblich. Sie alle suchen eine sinnstiftende Arbeit, wollen keinen Bürojob und schätzen die abwechslungsreiche Tätigkeit im Stall und auf dem Feld, ständig der Natur ausgesetzt. Auch die moderne Technik ist reizvoll. Zum Teil haben die jungen Menschen Abitur und wollen anschließend vielleicht noch studieren. Andere nutzen die Chance, einen Ausbildungsberuf ohne die Eingangsvoraussetzung eines guten Schulabschlusses zu starten. Viele von den Neueinsteigern in die landwirtschaftliche Ausbildung haben keinen Führerschein. Auf dieses heterogene, „buntere“ Bild müssen sich die Ausbildungsbetriebe heute einstellen.
Das Ziel einer Hofübernahme ist nicht mehr selbstverständlich, die Vorbildung über Verhältnisse auf den Höfen mit verschiedenen Generationen, langen Arbeitstagen aufgrund unvorhergesehener Aufgaben und Planänderungen wegen einer neuen Wetterlage oft nicht gegeben.
Jede/r Auszubildende bringt andere Talente mit und jede/r hat andere Pläne nach der Ausbildung. Das gilt es mehr zu berücksichtigen beim Kennenlernen oder Probearbeiten. Fachkräfte werden gerade wegen des Strukturwandels gebraucht, denn die Betriebe werden weniger, aber größer. Die Anforderungen an das Management steigen, mit ungelernten Hilfskräften kann es am Ende teuer werden, sei es weil Skandalbilder im Stall entstehen, die dem Image der Branche schaden, oder Krankheiten verschleppt und zu spät erkannt werden.
Wenn sich die angehenden Fachkräfte mit ihren persönlichen Hintergründen und Zielvorstellungen derart unterscheiden, ist es für eine erfolgreiche Zusammenarbeit während der Ausbildung wichtig, sich als Betrieb entsprechend anzupassen. Denn eins gilt nach wie vor: Die jungen Menschen brauchen engagierte und motivierende Ausbilderinnen und Ausbilder. Sie alle brauchen die richtige Anleitung, eine gute Unterstützung bei ihren Schwächen, eine deutliche Wertschätzung bei den Stärken. Das ist nicht immer einfach, aber jedes Jahr gibt es eine neue Chance, als Ausbildungsbetrieb für eine gute Basis bei den jungen Menschen zu sorgen, damit die in und für die Landwirtschaft Tätigen für die Zukunft gut ausgerüstet sind.
Sicher ist: Die jungen Menschen werden oft an ihre Grenzen kommen, aber sie sollen nicht nur durchhalten, sondern sich entwickeln können. Sie sollen stolz darauf sein dürfen, was sie gelernt haben. Eine Gelegenheit dazu wird auch der alle zwei Jahre stattfindende Berufswettbewerb des Bundes der Deutschen Landjugend (BDL) sein. Unter dem Motto „Wurzeln schlagen, Zukunft tragen“ werden 2027 wieder um die 10 000 Auszubildende, aber auch Fachschülerinnen und -schüler in Vor- und Landesentscheiden in ganz Deutschland gegeneinander antreten. Für die Bereiche Forstwirtschaft, Landwirtschaft, Hauswirtschaft, Tierwirtschaft und den Weinbau werden dann im Juni beim Deutschen Bauerntag in Aachen die Besten der Besten prämiert und gefeiert. Eine bessere Werbung für einen Ausbildungsbetrieb gibt es doch gar nicht!
Ich wünsche mir, dass viele Ausbildungsbetriebe diese Chance ergreifen, ihren Fachkräften von morgen die Gelegenheit zur persönlichen Weiterentwicklung zu geben und ihnen damit zu zeigen, dass sie nicht nur gefordert, sondern auch gefördert werden.
Zur Landwirtschaft gehört die nötige Portion Herzblut und es tut gut, wenn man andere junge Menschen trifft, denen es ebenso geht. Ich wünsche mir sehr, dass das Interesse an einer Teilnahme am Berufswettbewerb kommenden Winter wieder erwacht!