"Grünes Biergift-Theater"

In der vergangenen Woche berichteten zahlreiche Medien über angebliche Glyphosat-Rückstände in Bier, die das Umweltinstitut München an einer nicht bekannten Anzahl in Bier-Flaschen getestet haben will. Einige Medien kritisierten die unzureichenden Untersuchungsmethoden des Umweltinstitutes München, wie zum Beispiel Spiegel-Online. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) schrieb dazu einen interessanten Kommentar, in dem Redakteur Jan Grossarth deutlich macht, dass Glyphosat im Bier nicht wirklich gesundheitsschädigend sei, die rufschädigende Wirkung solcher Kampagnen dagegen sehr schlimm sei. Die Diskussion nehme Züge eines „absurden Theaters“ an. „Alle Wochen wieder öffnet sich der Vorhang der Medien für neue Gift-Warnungen. Einige Stunden oder Tage später liefert das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) dann eine wissenschaftlich seriöse Einordnung nach: Die gemessenen Werte liegen mal vielhundert-, mal mehr als tausendfach unter denen, die Forscher des Bundes, der Weltgesundheitsorganisation oder anderer Staaten als unbedenklich einstufen. Das Pflanzengift ist jahrzehntealt, es gibt Tausende empirische Studien. Je länger die Kampagne trotzdem anhält und mit willkürlich interpretierten Stichprobenfunden, grüner Gift-Rhetorik und einer gewissen Portion Hysterie flankiert wird, desto mehr drängt sich der Eindruck auf, dass sich die Grünen hier ausnahmsweise einmal ordentlich verrannt haben. Denn anders als etwa in der Klimapolitik, wirken sie hier wie eine Partei des Bauchgefühls und des Ressentiments, nicht wie eine der Wissenschaft. Viel schlimmer: Dieser Kampagnenstil trägt dazu bei, das Ansehen wissenschaftlicher Experten und Institutionen wie des BfR zu beschädigen. Dabei wurde dieses einst auf Betreiben der Grünen gegründet, um die Debatten über Lebensmittelsicherheit zu versachlichen.“ Der Beitrag ist nachzulesen unter www.faz.net.

Die Süddeutsche Zeitung hinterfragte: „Aber ist es nicht skandalös, dass überhaupt Pestizid in Bier gefunden wurde? Nein. Wir werden uns daran gewöhnen müssen, dass sich mit modernen Analysemethoden fast jede Substanz fast überall nachweisen lässt. In den vergangenen 20 Jahren sind die meisten Messverfahren um den Faktor eine Million verbessert worden. (…) Entscheidend ist, wie viel von einer Substanz gefunden wird – erst die Dosis macht das Gift.“