Gut für Gulasch

Foto: Petra Jacob

Ungarn entdeckt seine alten Nutztierrassen wieder. Zu Besuch in der Puszta und bei Zackelschaf, Graurind und Mangalitza-Schwein.

„Sie wissen, wo Sie aussteigen?“, fragt der nette Schaffner im perfekten Englisch. Ob der Bahnhof wohl sehr klein sei? „Absolutely“, lacht er. Mit einer altmodischen Bahn von Budapest vier Stunden gen Osten – stilvoller kann man das Herz der ungarischen Puszta nicht erreichen. Gedanken an Piroschka und „Signalmachen“ kommen auf beim Erreichen der winzigen Station Hortobágy, die etwas abgelegen vom Ort liegt.

Puszta ist nix

Wer kennt sie nicht, die schöne Filmkomödie „Ich denke oft an Piroschka“, die über die Jahre viele Deutsche in die Puszta lockte. 3 km sind es zu Fuß die staubige Straße entlang, vorbei an weiß getünchten Häusern mit roten Dächern hinaus in die Puszta. In die Öde, ins Nichts, was auf Altslawisch „pust“ heißt, wovon sich der Name Puszta ableitet. Als Andreas im Piroschka-Film fragte: „Und was ist Puszta?“, kam die Antwort: „Puszta ist nix, oben Himmel – und unten nix. Und da drauf Pferde und Csikós.“

Heute wird der Boden vielerorts landwirtschaftlich genutzt, großflächige Sonnenblumen- und Getreidefelder zogen während der Bahnreise am Fenster vorbei. Das war nicht immer so. Die Puszta, die heute im Nationalpark Hortobágy präsentiert wird, dem ersten Nationalpark Ungarns, ist eine in früherer Zeit durch Mensch und Tier entstandene Kulturlandschaft.

1999 ist der Nationalpark von der UNESCO in die Welterbeliste aufgenommen worden und umfasst 81 000 ha. Der Nationalpark wirbt damit, die größte Grassteppe Zentraleuropas zu besitzen. Um den Sandmagerrasen offen zuhalten, werden Pferde, Schafe und Rinder im freien Auslauf gehalten. Alles alte ungarische Nutztierrassen, die es einst hier gab und die mit dem kargen Grasbewuchs auskommen.

Bevor Mensch und Tier die Landschaft veränderten, war das flache Land der Großen Ungarischen Tiefebene (Alföld), das mehr als die Hälfte der ungarischen Landesfläche ausmacht, Überschwemmungsland. Der Fluss und seine vielen Seitenarme traten regelmäßig über die Ufer. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Wasserläufe reguliert und die Sümpfe durch ein ausgedehntes Kanalsystem trockengelegt. Die Wälder wurden gerodet, die zunehmende extensive Viehzucht begann der Landschaft ein anderes Gesicht zu geben. Durch den hoch liegenden Grundwasserspiegel brachten die für die Puszta typischen Ziehbrunnen das Tränkwasser für die Tiere nach oben.

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