Gutachten nimmt Tierhaltung ins Visier

Der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz (WBAE) hat ein Gutachten für eine „Nachhaltigere Ernährung“ vorgelegt. Darin adressieren die Wissenschaftler mit Gesundheit, Sozialem, Umwelt und Tierwohl vier Felder, in denen Veränderungen zugunsten einer nachhaltigeren Ernährungsweise erforderlich seien.

Foto: BMEL/Mewes

Sie empfehlen unter anderem einen niedrigeren Fleischkonsum und ein mehrstufiges staatliches Tierschutzlabel sowie eine nationale Nutztierstrategie. Eine „global verträgliche Ernährung“ erfordere „zwingend“ einen Rückgang des „hohen Konsums“ tierischer Produkte in wohlhabenden Ländern. Die Wissenschaftler plädieren deshalb für die Abschaffung des reduzierten Mehrwertsteuersatzes für tierische Erzeugnisse und die Einführung einer „Nachhaltigkeitssteuer“, die beispielsweise zur Finanzierung der Transformation der Tierhaltung genutzt werden könnte. Darüber hi­naus soll ein verpflichtendes Klimalabel für alle Lebensmittel eingeführt werden. Die Wissenschaftler betonen auch den Nutzen des ökologischen Landbaus, plädieren aber nicht für eine Komplettumstellung der deutschen Landwirtschaft. Stattdessen zielen sie auf „nachhaltigere Landbausysteme mit höherer Flächennutzungseffizienz als im Ökolandbau“ ab. Notwendig sei auch eine Informationskampagne zur Sensibilisierung der Verbraucher zur Klimarelevanz tierischer Produkte.

Bei der Übergabe des Gutachtens sprach sich der Vorsitzende des WBEA, Prof. Harald Grethe, für stärkere politische Steuerungsimpulse aus, um nachhaltigere Konsumentscheidungen zu unterstützen. Julia Klöckner, für Ernährung und Landwirtschaft zuständige Bundesministerin, sieht viele der Vorschläge und Empfehlungen als „Rückenwind für die Ernährungspolitik“ ihres Ministeriums an. Viele Empfehlungen des Beirats würden bereits im Rahmen der Nationalen Strategie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung umgesetzt.