An zwei Themen müsste noch besonders gearbeitet werden: an der Biodiversität und am Flächenverbrauch. So eine zentrale Aussage anlässlich der Vorstellung des Umweltzustandsberichts 2020 für Nordrhein-Westfalen durch Ministerin Ursula Heinen-Esser und Dr. Thomas Delschen, Präsident des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV), in der vergangenen Woche. In den Jahren 2017 bis 2019 gingen der Landwirtschaft täglich annähernd 22 ha Nutzfläche verloren. Laut dem Bericht, der alle vier Jahre vorgelegt wird, umfasste im Berichtsjahr die Siedlungs- und Verkehrsfläche knapp 24 % der Landesfläche, wovon rund 46 % versiegelt sind. Pro Tag kämen im Mittel 8,1 ha Siedlungs- und Verkehrsfläche hinzu, meist auf Kosten landwirtschaftlicher Flächen. Dadurch gingen Böden für die Nahrungsproduktion, aber auch für den Wasserhaushalt und die Klimaanpassung verloren. Zudem würden landwirtschaftliche Flächen auch für Wald- und Gewässerflächen sowie für die Kompensation von Siedlungserweiterungen und Verkehrswegebau verwendet. In der Folge habe sich die landwirtschaftliche Fläche von 1996 bis 2015 – den letzten 20 Jahren, in denen nach dem Automatisierten Liegenschaftsbuch erhoben worden sei – um insgesamt 1 187 km² verringert. Das bedeutete für die heimische Landwirtschaft einen tagtäglichen Verlust von 17,1 ha an fruchtbarem Acker- und Weideland, heißt es in dem Bericht. Nach der Umstellung auf ein anderes Informationssystem habe die Abnahme der landwirtschaftlichen Fläche in den Jahren 2017 bis 2019 sogar bei durchschnittlich 21,9 ha täglich gelegen. An der Verringerung des Flächenverbrauchs müsse noch „hart daran gearbeitet“ werden, betonte die Ministerin angesichts der Zahlen.
Weiter intensiv beschäftigen müsse man sich auch mit der biologischen Vielfalt. Der Indikator Artenschutz und Landschaftsqualität zeige eine positive Entwicklung. Bei der Zahl der nachgewiesenen Vogelarten in Wäldern und Siedlungen bestehe ein positiver Trend. Das sei eine „gute“ Nachricht. Bei den Agrar- und Wasserlebensräumen sei der Trend aber nach wie vor rückläufig.
„Noch etwas Luft nach oben“ sieht Heinen-Esser bei den Agrarumwelt- und Vertragsnaturschutzmaßnahmen sowie der Förderung von Ökobetrieben. Daran werde gearbeitet. So sei bereits die Biodiversitätsberatung der Landwirtschaftskammer zum Projekt „Leitbetriebe der Biodiversität“ für konventionelle Betriebe aufgesetzt worden. Zudem werde mit Spannung das Insektenschutzpaket der Bundesregierung erwartet. AgE/ds