Schwere Unwetter haben am Abend und in der Nacht zu Freitag Teile des Rheinlands getroffen. Vom Rhein-Sieg-Kreis über Köln und Remscheid bis zum Niederrhein gingen Zigtausende Hilferufe bei den Feuerwehren ein. Es kam zu Starkregen, Blitzeinschlägen und stürmischen Böen, allerdings lokal sehr begrenzt. Neben Tausenden Feuerwehrleuten im ganzen Land halfen Anwohner und Nachbarn. So auch im Kreis Kleve. Hier waren laut WDR-Informationen einige Straßen so stark geflutet, dass selbst Feuerwehrautos nicht weiterkamen. Der Regen, der in Uedem-Keppeln gegen 21.30 Uhr eingesetzt hatte, sorgte in der einen Stunde für eine Niederschlagsmenge von mehr als 90 l/m². „Die Gemeinde liegt in einem Tal, sodass von jeder Seite aus die Äcker und Straßen höher liegen und dadurch dann das Wasser teilweise mehr als gummistiefelhoch in den Straßen stand“, berichtet Michael Seegers, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Kleve. Gegen 23 Uhr wurden er und seine Berufskollegen zu Hilfe gerufen. Rund 25 Landwirte waren dann mit Güllefässern bis tief in die Nacht unterwegs, um mit Beregnungs- und Güllepumpen das Wasser aus dem Dorf aufzunehmen und auf die umliegenden Äcker zu bringen.
„Man konnte das Maissaatgut und die Kartoffeln, die vor Kurzem erst gepflanzt beziehungsweise ausgesät worden waren, im Ort zusammenlesen“, erzählt der Kreisvorsitzende von den Aufräumarbeiten. Nicht nur für die Feuerwehren ging die Arbeit an den Folgetagen weiter – bis Sonntag waren die Helfer gut beschäftigt. Auch hier packten die Landwirte tatkräftig mit an und säuberten unter anderem mit Teleskopladern die Straßen vom Schlamm. „Viele Stimmen sagten, dass ohne die Landwirte vor Ort die Katastrophe noch viel größer gewesen wäre!“, berichtet Michael Seegers. In einer solchen Situation sei es gut, in einem Dorf zu leben, in dem alle zusammenhalten. Auch im Siebengebirge war vielerorts Land unter: Mit 100 l/m² in nur zwei Stunden wurde hier der Spitzenwert in NRW gemessen. Bei der Vereinigten Hagelversicherung sind aus dem gesamten Rheinland zahlreiche Schadenmeldungen eingegangen. „Insgesamt sind 1 500 ha mit einem Wert von rund 5 Mio. € als geschädigt gemeldet. Die Schäden wurden mittlerweile an unsere Sachverständigen versendet. Die Schadenregulierung beginnt zeitnah“, erklärt Dr. Michael Schulte, stellvertretender Bezirksdirektor der Vereinigten Hagelversicherung. Ein Drittel der Schäden sei auf Hagel zurückzuführen; alle weiteren Schäden entstanden durch Starkregen. Es sei erkennbar gewesen, dass die Gewitterschauer nur sehr langsam weitergezogen sind, sodass punktuell extreme Niederschlagshöhen zu verzeichnen waren. Es wurden Schäden in allen gängigen Ackerkulturen – Getreide, Raps, Kartoffeln, Mais, Zuckerrüben und Leguminosen – sowie in verschiedenen Sonderkulturen gemeldet.
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