Her mit den Sorgen

Foto: Sigrid Tinz

Der Einbrecher unterm Bett, der Zahnarzt, der Krieg, es gibt tausend kleine und große Dinge, über die sich Kinder Gedanken machen. Grübeleien helfen allerdings selten gegen Probleme und Ängste – Rituale durchaus. Wir stellen zwei vor, die besonders gut für Kinder geeignet sind.

Kennen Sie Sorgenfresser und Sorgenpüppchen? Die wirken beinahe magisch, sagen viele Eltern und Kinder, die es ausprobiert haben. Der Hintergrund ist allerdings gar nicht magisch, sondern lässt sich psychologisch leicht erklären: Angst ist ein uraltes Gefühl und findet in einem Teil des Gehirns statt, den es schon sehr viel länger gibt als die Bereiche für logisches Denken und rationales Handeln. Deswegen ist Angst auch schneller als Logik oder Wissen. Was vielleicht jeder schon mal erlebt hat: Unter Stress will einem die PIN der EC-Karte einfach nicht mehr einfallen. Im Prinzip ist das gar nicht schlecht, instinktiv zu handeln. Schnell wegzulaufen, wenn es brennt, ohne vorher lange darüber nachzudenken. Wenn es aber woanders weit weg brennt und wir davon in den Nachrichten hören, hilft der Panikmodus nicht. Uns nicht und den Betroffenen dort ebenfalls nicht.

Genauso wenig hilft es, wieder und wieder darüber nachzugrübeln, warum das alles passiert und was noch alles passieren könnte. Eine Lösung bringt das nicht. Nur Stress. Was hilft: darüber mit anderen sprechen, die Ängste aufschreiben, Atemtechniken, dem Alltag nachgehen, der Arbeit in Haus, Hof, Garten oder im Büro. All diese Tätigkeiten benötigen den rationalen Teil des Gehirns, der deshalb gezwungen wird, wieder aus dem Stand-by zu erwachen, und so den archaischen Angstzustand in den Hintergrund drängt. Man kann wieder klar denken, fühlen und handeln. Und außerdem haben wir Erwachsenen im Idealfall genug Lebenserfahrung, sich selbst zu sagen, dass die Gardine im Halbdunkel nur so aussieht wie ein Einbrecher – und keiner ist.

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