In vielen Regionen ist die Herbstweide eine verbreitete Nutzung des Grünlandaufwuchses der letzten Vegetationswochen. Der Weidegang ist arbeitswirtschaftlich interessant und kostengünstig. Damit die Weiden auch im darauffolgenden Jahr gut starten und Erträge und Qualitäten liefern, sind einige Regeln zu beachten. Anne Verhoeven, Landwirtschaftskammer NRW, geht ins Detail.
Im Herbst wächst die Weide erfahrungsgemäß verhaltener. Die Qualität des Weidefutters lässt nach. Ideal für den Weidegang ist natürlich trockenes Wetter. Die Herde pflegt dann eine dichte Narbe und verursacht keinen Schaden.
Da die Bodenfeuchte gegen Vegetationsende häufig zunimmt, verliert die Weidenarbe ihre sommerliche Trittfestigkeit und wird empfindlicher gegen Verdichtungen. Dann ist es Zeit, die Beweidung den Umständen anzupassen und den Weidetieren entweder mehr Weidefläche anzubieten oder die Weidezeit zu reduzieren. Zugleich muss eine angepasste Übergangsfütterung im Stall erfolgen.
Weide pflegt Weidenarbe
Grundsätzlich ist es vorteilhaft, die Weide möglichst lange zu nutzen. Die intensive Herbstbeweidung sorgt dafür, dass die Vorweide beziehungsweise Frühjahrsweide im Folgejahr mit einer robusten Weidenarbe beginnen kann. Durchgehend intensiv beweidete Weideflächen sind auch im Herbst besonders leistungsstark. Der herbstliche Weidegang sorgt außerdem für Bewegung und Gesundheit der Tiere.
Weidedruck reduzieren
Durch Taubildung und feuchtere Witterung im Herbst sind die Böden häufig deutlich feuchter, verformbarer und empfindlicher. Damit unter diesen Bedingungen keine nachhaltigen Schäden an der Weidenarbe entstehen, darf der Weidedruck zu diesem Zeitpunkt nicht zu groß werden. Idealerweise arbeitet man unter Kurzrasenweidebedingungen während der Vegetations- beziehungsweise Weideperiode mit abnehmenden Besatzstärken je Hektar, und zwar:
- Frühjahr: vier bis fünf Kühe/ha,
- Herbst: ein bis zwei Kühe/ha.
Die weitverbreitete Umtriebs- oder Portionsweide ist im Vergleich zur Kurzrasenweide gerade im Herbst eher nicht zu empfehlen. Bei der Umtriebsweidenutzung ist darauf zu achten, dass die Weidenarbe nicht zu kurz in den Winter geht, weil die Grünlandpflanzen dann nicht über ausreichende Reserven verfügen. Vor allem Horstgräser leiden, wenn sie tief genutzt werden, da sie oberirdisch Reservestoffe einlagern.
Intensive Kurzrasenweiden sind jedoch ähnlich wie stets kurz gemähte Sportrasenflächen wenig auswinterungsgefährdet und verfügen über ausreichende Reserven, um den Winter und den zeitigen Frühjahrsaustrieb im Folgejahr zu überstehen.
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