Herkunftskennzeichnung als Chance

Foto: imago/Martin Wagner

Austauschbar sein, das will kein Landwirt mit seinen Produkten. Und doch ist es oft leider genau so. Der Handel stellt hohe Ansprüche in puncto Nachhaltigkeit an deutsche Produkte und legt dann doch die günstigere Ware aus dem Ausland ins Regal. Die hiesigen Landwirte müssen herbe Einbußen bei den Erlösen hinnehmen oder bleiben sogar auf ihrer Ware sitzen. Schnell geraten im Handel die hohen Ansprüche in Vergessenheit, der Preis bestimmt das Regal.

Auch die Schweinebauern mussten sich in den letzten Jahren oft anhören, dass sie ein Produkt in Massen ohne besondere Kennzeichen anbieten. Aus diesem Vorwurf ist im Zusammenspiel mit

der schwindenden Akzeptanz der Schweinehaltung im Kompetenznetzwerk unter Jochen Borcherts Vorsitz eine Nutztierstrategie entstanden. Diese sieht in erster Linie mehr Platz und mehr Beschäftigungsmöglichkeiten für die Tiere vor, eine breite staatliche Förderung für eine deutlich tiergerechtere Haltung und ein Tierwohllabel. Was eine zukünftige Regierung daraus machen wird, steht noch in den Sternen. Eine Möglichkeit, die sich bereits jetzt bietet, um ein Alleinstellungsmerkmal zu haben, erläuterte der Verein Ernährung NRW anlässlich einer virtuellen Sitzung des Fachausschusses Schweine des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes (RLV).

Regional ist gefragt

Denn genau hier setze seine Arbeit an, erklärt Geschäftsführer Franz-Josef Dickopp. Unter dem Markenzeichen „NRW isst gut“ werden in Zusammenarbeit mit den Inverkehrbringern Lebensmittel deklariert, die aus NRW stammen. Seit einiger Zeit schon ist Regionalität sehr begehrt: „Wir sind gerade auf dem Höhepunkt bei der Regionalität. Was wir jetzt hierbei schaffen, hätte Langfristigkeit!“, bekräftigt Dickopp.

Doch wie genau sieht es bei Schweinefleisch aus? Könnte das Label eine Chance für Schweinebauern sein, die aufgrund der Borchert-Kommission, immer strengerer gesetzlicher Vorgaben, des Gerangels um das Baurecht und einer derzeit sicheren grünen Regierungsbeteiligung ab Herbst vor immensen Herausforderungen stehen? Ja, Dickopp ist sich sicher: „Erzeugung unter hohen Standards alleine nützt nichts. Wir müssen uns stärker in die Vermarktung einbringen.“ Der Verein sucht Kontakt zum Lebensmitteleinzelhandel und wirbt für die Verwendung des „NRW isst gut“-Logos. Das Interesse seitens des Handels daran ist sehr groß. Jetzt geht es um die Produktionsseite. Würden auch ausreichend Schweine angeboten? NRW ist schließlich das bevölkerungsreichste Bundesland und mancher Mäster kauft seine Ferkel im Nachbarland. Über die Risiken und Chancen einer baldigen Herkunftskennzeichnung in NRW wurde deshalb lange diskutiert.

Chance jetzt nutzen

Wilhelm Hellmanns, Vorsitzender des Fachausschusses, zeigte sich in der anschließenden Diskussion überzeugt. „Das ist eine große Chance für uns Schweinehalter und entspricht dem, was wir als RLV lange mit unseren Berufskollegen auf Bundesebene fordern.“ Zur Teilnahme am Programm müssen die Schweine mindestens in Deutschland geboren worden sein und ab der 15. Lebenswoche in NRW gemästet werden. „Die Mast wird neutral nach anerkanntem Prüfstand der QS kontrolliert“, erklärte Karin Braf von der Geschäftsstelle Ernährung NRW, die die Kriterien vorstellte. Die anderen Kriterien, die die Regionalität ausmachen, sind überwiegend von Schlachtern und Verarbeitern zu erfüllen. Auch die Landwirte können durch weitere Kriterien Pluspunkte beim Thema Regionalität, Transparenz, Umweltverantwortung etc. erreichen, aber halt freiwillig. Es herrschte auch im Fachausschuss schnell Einigkeit da-rüber, dass angesichts kommender Herausforderungen jetzt der Zeitpunkt gekommen sei, mithilfe der Herkunftskennzeichnung wieder Perspektiven zu schaffen. Damit es auch bei Schweinefleisch sichtbar wird: NRW isst gut.