Heu – das Gold der Landwirtschaft

Foto: Petra Jacob

Landwirt Klaus Hauber führt im Allgäu in der Nähe von Oberstaufen zwei Hotels mit vier Sternen und pflegt nebenbei 60 ha Wiesen und Wälder. Sein ganzer Stolz ist das Bergheu, das in der Therapie und Küche eingesetzt wird.

 

„Ich liebe dieses Heu, ich liebe diese Gegend, hier bin ich geboren.“ Klaus Hauber steht vor einem mit Gras bewachsenen Hang im Gespräch mit Hotelgästen und greift hinein in das Grün. „Schaut her, was hier alles wächst: Frauenmäntele, Spitzwegerich, Löwenzahnblüten, Wickenarten und noch viel mehr“, zählt er auf. „Das ist eine Magerwiese, die erkennt man an den vielen Blumen und dem Lieschgras. Das wird bis zu 1,60‌ m hoch, da verschwinde ich fast drin. Und von hier kommt auch unser Therapieheu.“

 

Was ist Therapieheu? Bei den Gästen entstehen viele Fragen. Mit ausladenden Gesten fängt Klaus Hauber zu erklären an und ist schon bald in seinem Element. Mit klaren Worten erklärt er die Vorgänge, sodass sie auch für den Laien interessant werden. Er hat festgestellt, immer mehr Menschen fehle der Bezug zur Landwirtschaft – und trotzdem sei da eine Sehnsucht nach dem Ländlichen. Auch in der gehobenen Klasse.

 

Heu vom Kuhhimmel

 

„Grundlage für das Wachstum des Grases sind Temperatur, Wasser und Vegetationsdauer“, doziert er. „Dieser Südhang ist von morgens bis abends der Sonne zugewandt. Hier gibt es rund 1 200 mm Niederschlag im Jahr, heuer a bisserl mehr. Die Böden selbst in den Ebenen sind bei uns als Acker wenig geeignet. Ackerbau ist hier kompliziert, auch aufgrund von Spätfrösten im Frühjahr und den frühen Frösten im Herbst.“

 

Er könne jedoch ein gutes Bergheu produzieren, schwärmt er. Das besagte Therapieheu kommt von einem Teil seiner Flächen, von der Sonnenhalde, von einer Wiese namens Kuhhimmel und vom Adlerhorst auf rund 1 000 m. Diese Flächen seien seit 1984 nicht mehr gedüngt worden, daher sei der Boden mager an Nährstoffen, was Blumen und Kräuter jedoch schätzen.

 

Traktor von 1959 im Einsatz

 

„Ist das Gras vollreif und das Wetter einen Tag schön, mähen wir mit einem kleinen Handbalkenmäher. Anschließend wird das angewelkte Heu gewendet und mit einem Bandrechen zu Schwadern zusammengefasst.“ Auf den buckligen Wiesen arbeitet er mit einem alten 24 PS starken Fendttraktor. Der Traktor ist damals neu auf den Hof gekommen. „Auf dem habe ich mit fünf Jahren das Traktorfahren gelernt und mit neun schon selbst Heu gemacht.“ Stolz zeigt er das alte Gefährt.

 

Das angewelkte Heu kommt von der Wiese in einen Trocknungskasten, wo es mit einem Gebläse ein paar Tage lang gleichmäßig belüftet wird. So lang, bis es lagertrocken „und resch“ ist. Sollte das Wetter nicht mitspielen, kommen Heureiter zum Einsatz, die im Freien aufgestellt werden. Neben dem Heulager stehen die Bestandteile dieser „Huinzen“, wie die Allgäuer sie nennen, an die Wand gelehnt. Zusammengesetzt werden sie zu 2‌ m hohen Gerüsten, an denen dann das Schnittgut wie zu Großvaters Zeiten zum Trocknen aufgehängt wird.

 

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