Hilfe, die guttut

Dr. Elisabeth Legge

Unfall oder Krankheit – davor ist niemand gefeit. Auch in der Landwirtschaft können die Betriebsleiterin oder der Betriebsleiter jederzeit ausfallen. Die rheinischen Betriebe können sich dann an den Verein Landhilfe Rheinland wenden, der ihnen Betriebshelferinnen und Betriebshelfer vermittelt. Aber Betriebshilfe kann nur funktionieren, wenn auch genügend Fachleute hierfür zur Verfügung stehen.

Vielen Landwirtinnen und Landwirten graut es davor: Fällt die Betriebsleiterin oder der Betriebsleiter krankheitsbedingt oder aufgrund eines Unfalls aus, steht man vor einem großen Pro-blem. Denn die Arbeit auf dem Betrieb muss ja trotzdem weiterlaufen. Kompetente Hilfe ist dann gefragt. Ansprechpartner für die rheinischen Bauernfamilien ist in einem solchen Fall der Verein Landhilfe Rheinland. Dieser hat sich auf seine Fahnen geschrieben, den betroffenen Betrieben zu helfen und ihnen schnellstmöglich eine Betriebshelferin oder einen Betriebshelfer zur Verfügung zu stellen (siehe Interview auf S. 20).

Träger der Betriebshilfe ist die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau, kurz SVLFG. Und dieses Betriebshilfesystem ist etwas ganz Besonderes. Kein Installateur, kein Bäcker, kein Metzger und auch kein Schreiner können auf ein solches System zurückgreifen und schauen auch ein bisschen neidisch auf die Landwirtschaft. Im Prinzip haben alle landwirtschaftlichen Unternehmer und deren mitarbeitende Ehegatten Anspruch auf Betriebs- und auf Haushaltshilfe. Voraussetzung ist eine Beitragsveranlagung bei der SVLFG. Die Kosten für die Ersatzkraft werden dabei je nach Versicherungsfall von der Alterskasse, der Krankenkasse oder der Berufsgenossenschaft übernommen.

Das Betriebshilfesystem der SVLFG steht und fällt natürlich mit seiner Finanzierung und insbesondere damit, dass auch in Zukunft ausreichend Betriebshelferinnen und Betriebshelfer zur Verfügung stehen. Es sind nicht irgendwelche Helferinnen, sondern landwirtschaftliche Fachkräfte. Profis also, die im Notfall den landwirtschaftlichen Betrieben zur Seite stehen. Das ist Sinn und Zweck der Betriebshilfe. Der Betrieb soll weiterlaufen, um damit auch dessen Einkommensgrundlage zu sichern. Konkret heißt das: In tierhaltenden Betrieben, wo die meisten Anträge für Betriebshilfe gestellt werden, erledigen die Helferinnen und Helfer die täglich anfallenden Aufgaben im Stall. Je nach Jahreszeit gehören aber auch Arbeiten in der Außenwirtschaft dazu. Tätigkeiten in einem sogenannten Nebenunternehmen  wie beispielsweise einem Hofladen fallen allerdings nicht in das Aufgabengebiet der Betriebshelferin und des Betriebshelfers. Hier könnte man mal über eine Änderung nachdenken. Denn vielen Betrieben würde dies sicherlich noch mehr helfen.

In jedem Fall ist der Bedarf an Betriebshelferinnen und Betriebshelfern groß. Die Zahl der Unfälle in der Landwirtschaft übersteigt bedauerlicherweise die Zahl der zur Verfügung stehenden Helferinnen und Helfer. Wie viele Bereiche leidet auch das Betriebshilfesystem unter Fachkräftemangel. Momentan sind acht Einsatzkräfte beim Verein Landhilfe Rheinland angestellt. Zusammen mit den derzeit bei der SVLFG angestellten Einsatzkräften sind im Rheinland rund 50 Personen in der Betriebshilfe vor Ort tätig. Das sind leider zu wenige, zumal in den nächsten Jahren viele Ersatzkräfte bei der SVLFG aus Altersgründen ausscheiden. Der Verein Landhilfe Rheinland sucht daher dringend weitere Betriebshelferinnen und Betriebshelfer. Dahinter verbirgt sich ein interessanter Job für Landwirtinnen und Landwirte. Als Betriebshelferin oder Betriebshelfer erwartet sie eine verantwortungsvolle und abwechslungsreiche Tätigkeit und ein sicherer Job, denn im Notfall werden helfende Hände auf den Höfen immer gebraucht.

Und der Verein Landhilfe Rheinland bietet jungen Leuten, die eine landwirtschaftliche Ausbildung abgeschlossen haben, eine einmalige Chance: die Möglichkeit, ihr Gesellenjahr nach der Berufsausbildung als Betriebshelfer zu absolvieren. Dieses Praxisjahr wird für den Besuch der Fachschule für Agrarwirtschaft anerkannt und in diesem einen Jahr kommen die Junglandwirtinnen und -landwirte auf viele Betriebe. Die junge Betriebshelferin, die wir auf S. 56 vorstellen, ist seit einem halben Jahr für den Verein Landhilfe Rheinland tätig und hat in dieser Zeit schon sechs Betriebe kennengelernt. In den nächsten sechs Monaten kommen weitere dazu. Mal ehrlich, wo kommt man in einem Jahr auf so viele Betriebe und kann so viel Erfahrung sammeln? Erfahrung, die man später auf dem eigenen Betrieb oder als Angestellter auf einem Betrieb gut gebrauchen kann. Bewerberinnen und Bewerber für die Betriebshilfe erwartet nicht nur eine interessante Tätigkeit, sie leisten auch echte Hilfe für Betriebe in Not, die guttut. Der Verein Landhilfe Rheinland freut sich jedenfalls auf viele Bewerbungen.