Dem Wald geht es nach wie vor schlecht. Insbesondere die Trockenheit der vergangenen drei Jahre hat ihm enorm zugesetzt und zu einem massiven Borkenkäferbefall geführt. Über das Ausmaß sind selbst Fachleute schockiert. „Die Lage ist eigentlich unvorstellbar. Wir haben uns das nicht ausmalen können. Wir haben keine Forstwirtschafts-, sondern eine Waldkrise“, stellte Uwe Schölmerich, Leiter des Regionalforstamts Rhein-Sieg-Erft, am Montag dieser Woche vor den zahlreich erschienenen Pressevertretern im Bonner Kottenforst fest. NRW-Landwirtschafts- und Umweltministerin Ursula Heinen-Esser machte sich dabei zum Start der diesjährigen landesweiten Waldzustandserhebung selbst ein Bild vor Ort.
Und die Ministerin hatte eine gute Nachricht für die Waldbauern. „NRW stockt die Hilfen für Wald und Holzwirtschaft auf“, kündigte sie an. Zu den bisherigen Mitteln von über 29 Mio. € sollen noch im laufenden Jahr weitere Hilfen in Höhe von 28 Mio. € fließen – unter anderem zur Unterstützung der Wiederbewaldung von Schadflächen. „Mit den Sondermitteln ergänzen wir die bestehende Förderung, um der Forst- und Holzwirtschaft in der aktuellen Extremsituation zielgerichtet zu helfen und die Waldzukunft nachhaltig zu gestalten“, erläuterte Ursula Heinen-Esser. Außerdem stelle der Bund im Rahmen des Konjunkturpakets 700 Mio. € für die Waldbesitzer zur Verfügung. Nach Auffassung der Ministerin könnte das für die Waldbauern in NRW noch mal zusätzliche 100 Mio. € bedeuten.
Die jetzt bereitgestellten Gelder sollen nach Angaben des Ministeriums bei der Überwindung der dramatischen Borkenkäferschäden und der Auswirkungen der Corona-Pandemie helfen und zugleich zur Entwicklung vielfältiger und klimastabiler Mischwälder beitragen. Die Mittel sollten beispielsweise zur Waldbrandvorsorge oder bei der Beseitigung von Gefahrenbäumen zur Sicherung der öffentlichen Infrastrukturen genutzt werden. Weitere Maßnahmen seien die Stärkung der Forst- und Holzwirtschaft in den Bereichen Digitalisierung und Holzbau sowie in der Aus- und Fortbildung, außerdem die Unterstützung der Wiederbewaldung der Schadflächen im Privat- und Kommunalwald.
Mit einem dicken Lob gegenüber der Landesregierung wartete Dr. Philipp Freiherr Heereman, Vorsitzender des Waldbauernverbandes NRW, auf. „Die Landesregierung hört nicht nur zu, sie handelt auch“, betonte der Vorsitzende. Mit den Sondermitteln leiste das Land wichtige Unterstützung für die Waldbauern, allerdings seien weitere Anpassungen notwendig. Insbesondere müsse über die Fördergrenze nachgedacht werden. Sie liege zurzeit bei 30 000 € je Waldbesitzer. Ursula Heinen-Esser wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass ihr Ministerium die Waldbesitzer ermuntert habe, auch über die Höchstgrenze hinausgehende Mittel zu beantragen. Im Laufe des Jahres wurde sich dann zeigen, ob mehr Geld zur Verfügung gestellt werden könne, meinte die Ministerin. el