Extreme Hitzeereignisse haben in den letzten fünfzig Jahren deutlich an Häufigkeit, Intensität und Dauer zugenommen. Das bedroht weltweit Ernteerträge und Tierbestände und damit die Lebensgrundlage und Gesundheit von über 1 Mrd. Menschen. Zu diesem Befund kommt ein aktueller Bericht, der jetzt von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) vorgelegt wurde.
Schlecht für Tiere, Pflanzen und Menschen
Intensive Hitzeereignisse verengten die thermische Sicherheitsmarge, auf die Arten für biologische Prozesse angewiesen seien, beispielsweise die Photosynthese oder die zelluläre Regeneration, heißt es in der Studie. Bei den häufigsten Nutztierarten beginne der Stress bei über 25 °C, bei Hühnern und Schweinen sogar etwas früher. Oberhalb dieser Schwelle begännen Tiere zu leiden. Selbst wenn sie nicht tödlich sei, verringere extreme Hitze die Milchmenge sowie den Fett- und Proteingehalt – was unter anderem den CO₂-Fußabdruck tierischer Lebensmittel verschlechtere.
Bei den meisten landwirtschaftlichen Nutzpflanzen treten dem Bericht zufolge Ertragsrückgänge bei Temperaturen oberhalb von 30 °C auf. Das Wachstum werde verringert, was wiederum die Kohlenstoffaufnahme aus der Atmosphäre verringere.
Extreme Hitze fordere aber auch den Menschen, insbesondere landwirtschaftliche Arbeitskräfte. Die Autoren gehen davon aus, dass die Anzahl der Tage pro Jahr, an denen es zu heiß zum Arbeiten ist, in weiten Teilen Südasiens, Subsahara-Afrikas sowie Mittel- und Südamerikas auf 250 steigen könnte.
Risikomultiplikator
Die Gefahr extremer Hitze liege aber nicht nur in ihren direkten Auswirkungen, so die Wissenschaftler. Sie sei zudem ein Risikomultiplikator. Hitzewellen gingen einher mit anderen klimatischen Faktoren und lösten dadurch Effekte aus, die ganze Ökosysteme zerstörten und die Menschen gefährdeten. Der Wasserstress werde verstärkt, Dürren ausgelöst, das Risiko von Waldbränden erhöht und die Ausbreitung von Schädlingen und Krankheiten gefördert.
Der Bericht unterstreicht die Notwendigkeit, mit wirksamen Instrumenten gegen Hitzebelastungen vorzugehen. Die Palette der Maßnahmen reiche von der Züchtung hitzeresistenter Ackerkulturen bis hin zu veränderten Managementpraktiken. Hervorgehoben wird die Bedeutung von Frühwarnsystemen als wichtiges Hilfsmittel, um Landwirte bei ihrer Reaktion auf extreme Hitze zu unterstützen.
Technische Lösungen seien notwendig, reichten aber allein nicht aus, vor allem in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommensniveau, betonen die Autoren. Die Grundlage aller Anpassungsmöglichkeiten sei daher der Zugang zu entsprechenden Finanzdienstleistungen.
AgE