HOCHWASSER +++ Flut riss alles mit

Foto: Margret Klose

Es wird wohl noch Wochen, wenn nicht sogar Monate dauern, bis Erika und Johannes Hemmersbach ihre Anbauflächen in Erftstadt-Bliesheim rund um ihre alte Wassermühle wieder beackern können. „Die Flut hat alles mitgerissen“, sagt die Biolandwirtin. Die gesamten Sommerkulturen sind hin. Wie ein großer Strom sei das Wasser der Erft und des Liblarer Mühlengrabens durch ihre Gewächshäuser geströmt und habe die Felder, den Hof, das Wohnhaus, die beiden Mietwohnungen und den Hofladen überflutet. Gute eineinhalb Meter hoch hat das Wasser im Erdgeschoss des alten Wohnhauses im Hof, in den Wirtschaftsräumen und im Hofladen gestanden. Dabei wurde nicht nur ihre gesamte Ernte, sondern auch ihr komplettes Inventar im Erdgeschoss ihres Wohnhauses zerstört. Zudem nahm sich das Wasser auch die Wohnung ihres Sohnes und die ihrer Mieterin. „Unser Sohn und unsere Mieterin sind jetzt obdachlos“, erklärt die 69-Jährige. Sie selber seien aktuell ohne jedes Einkommen.

„Aber wir haben diese Flut überlebt“, sagt die Biolandwirtin. Und aufgeben ist nicht ihr Ding. Johannes und Erika Hemmersbach betreiben auf der Bliesheimer Mühle einen Biohof. Selber bauen sie das Gemüse an, das sie in ihrem Hofladen frisch vom Feld direkt auch vermarkten. Seit 1858 ist die erstmals 1260 urkundlich erwähnte Wassermühle im Familienbesitz. Bis 1973 war sogar noch die Mühle in Betrieb. Heute steht sie unter Denkmalschutz des Landes Nordrhein-Westfalen.

Und die Leute von der Denkmalbehörde waren auch nach dem Hochwasser schon da. Von ihnen hat das Ehepaar erfahren, dass möglicherweise durch das Hochwasser auch Schadstoffe ins Gebälk und in das Fachwerk gezogen sein könnten. Die Untersuchungen diesbezüglich haben aber noch nicht begonnen. „Doch sollte sich diese Vermutung bewahrheiten, dann hätte das hier Langzeitfolgen“, erklärt Johannes Hemmersbach.

Und bevor sie ihre Felder neu bestellen können, müssen auch dort Bodenproben genommen und genau analysiert werden. Zunächst ist jedoch im Hofladen, im Wohnhaus und in den Wohnungen großes Reinemachen angesagt. Ventilatoren brummen, demnächst sollen auch Bautrockner im Haus, im Keller und im Hofladen aufgestellt werden. Wichtige Papiere konnte das Ehepaar noch aus den Fluten retten. Sie liegen in Aktenordnern auf dem Hof zum Trocknen. Die Möbel jedoch, die sie über mehrere Generationen erhalten und wertgeschätzt haben, müssen weggeschmissen werden. „Das meiste ist schon weg“, sagt Johannes Hemmersbach.

„Wir haben schon viel geschafft“, sagt Erika Hemmersbach. Mut macht ihr das große Engagement, mit dem sie von der Bevölkerung unterstützt werden. Wie die Heinzelmännchen seien nach der Flut die Männer und Frauen gekommen. „Die Bioland-Regionalgruppe hatte sogar Essen und Trinken mitgebracht“, sagt sie. Sie hätten ihnen Gewächshäuser freigeräumt. Auch aus dem Dorf und der Umgebung seien viele Menschen ungefragt einfach da gewesen, um mit anzupacken. Völlig zerstört ist auch die rückwärtige Zufahrt zur Mühle. Dort klaffen tiefe Löcher im Asphalt.

„Es braucht seine Zeit, bis alles wieder in Ordnung ist“, sagt Erika Hemmersbach. Trotzdem hat sie sich fest vorgenommen, möglichst noch im August ihren Hofladen wieder öffnen zu können. Abseits des von der Flut überspülten Ackers haben sie schließlich auch noch Kartoffeln und Kürbisse angebaut, die bald geerntet werden müssen. Und dann packt sie ihr neuestes Buch aus: „Der Wolkentopf“ von Erika Hemmersbach. Auch das ist dann wieder in ihrem Hofladen zu haben. „Es lädt ein zu einem geistigen Spaziergang weit weg vom Hochwasser und von der großen Flut“, verspricht die Autorin.

Margret Klose