Hände in den Schoß legen oder Hand anlegen? Diese Strategien, auf die Schäden im Forst und den Klimawandel zu reagieren, kamen auf dem Jubiläumswaldbauerntag 2022 des Waldbauernverbands NRW vergangene Woche zur Sprache. Egal, welcher Weg der richtige und welcher der Holzweg ist, ohne Unterstützung von Land oder Bund bewältigen die Waldbesitzer die Herausforderungen nicht.
Waldbesitzer und Waldbewirtschafter haben derzeit allen Grund zur Sorge und zur Klage. Der Käfer hat riesige Waldflächen vernichtet. Und die Bestände, die verschont geblieben sind, haben unter der Trockenheit gelitten. Wenig Ertrag aus dem Holzverkauf stehen enorme Kosten für Aufarbeitung der Schäden, die Wiederaufforstung oder den Umbau der Wälder gegenüber. Angesichts des Klimawandels lässt sich auch nicht so ohne Weiteres auf Praktiken bauen, die sich über Generationen bewährt haben. Das machte auch der Jubiläumswaldbauerntag in der vergangenen Woche deutlich.
Für viele Waldbesitzende stellt sich daher die Frage: „Wie schaffen wir das und wie bezahlen wir das?“ Was das Schaffen angeht, bot der Waldbauerntag Plattform für zwei gegensätzliche Ansätze. Auf der einen Seite ein Vorgehen, das man getrost als „Finger weg vom Wald“-Strategie bezeichnen kann. Angesichts von Klimawandel und komplexen Zusammenhängen zwischen Standort, Bodenleben, Kleinklimalage, Pflanzengesellschaft etc. lasse es sich sowieso kaum abschätzen, wie der richtige Umgang mit den Wäldern aussieht. Deswegen könne man ihn sich auch selbst überlassen. Den kompetenten Umgang mit Nichtwissen nannte das Prof. Dr. Pierre Ibisch beim Waldbauerntag. Seine These ist für Menschen, deren Familien seit Jahrhunderten mit und vom Wald leben, genauso provokant wie die des Fernsehförsters Peter Wohlleben. Der bietet über seine Waldakademie übrigens für satte 159 € (pro Person) Kamingespräche. So kann man, nebenbei bemerkt, mit Wald auch Geld verdienen. Am Kamin finden diese Gespräche aber nicht statt. Ausweislich der Website von Wohlleben spaziert er mit den Teilnehmern dabei zwei Stunden im rheinland-pfälzischen Teil der Eifel durch den Wald. Ob dieser Kunstgriff etwas über Wohllebens Verhältnis zur Holzverbrennung aussagt, lässt sich nicht zweifelsfrei klären. Zweifelsfrei ist allerdings seine Kritik an der Waldbewirtschaftung.
Den anderen Weg, die Zukunft unserer Wälder in die richtigen Bahnen zu lenken, kann man dagegen ohne Weiteres mit dem etwas saloppen Spruch „Versuch macht kluch“ zusammenfassen. Da sich die Zusammenhänge und Auswirkungen aller Veränderungen, denen die Wälder unterliegen, eben nicht exakt vorhersagen lassen, könne man durch die Pflanzung mehrerer verschiedener Baumarten das Risiko, dass einzelne Spezies Totalausfälle sind, verringern, aber die Chance erhöhen, dass auch Arten darunter sind, die sich dann als robust erweisen. So jedenfalls war die Empfehlung des deutschen Waldbauernpräsidenten, Prof. Dr. Andreas Bitter.
Ich bin kein Fachmann für waldökologische Fragen. Daher erlaube ich mir kein abschließendes Urteil, was der Holzweg wäre und was der Königsweg, um Forstflächen so zu erhalten oder zu entwickeln, dass sie möglichst viele der vielfältigen Ansprüche erfüllen, die heute an den Wald gestellt werden. Auch wenn es in der öffentlichen Diskussion gerne unter den Tisch fällt, gehört dazu immer noch die Bereitstellung von Rohstoffen. Daneben treten Leistungen für die Sauerstoffproduktion, den Wasserkreislauf unter dem Boden und in der Atmosphäre, als Kohlenstoffspeicher, als Biotopfläche und etliche weitere Aspekte im Zusammenhang mit Biodiversität und Klimaschutz immer mehr in den Vordergrund. Dass diese Leistungen nicht umsonst zu haben sind, weil sie der gesamten Gesellschaft dienen, sollte eine Selbstverständlichkeit sein.
Wer als Kleinstwaldbesitzer, Waldbauer oder Forstbetrieb nach den Vorstellungen von Ibisch oder Wohlleben die Hände in den Schoß legt und seinen Wald sich selbst überlässt, hat dennoch Aufwendungen oder muss seinen Lebensunterhalt anderweitig bestreiten. Bevölkerung und Rechnungshöfen wird es schwer zu vermitteln sein, dass der Staat Geld fürs Nichtstun ausreicht. Jenseits waldbiologischer und waldwirtschaftlicher Argumente führt der Weg in die Zukunft der Wälder also über den Ansatz „Erhalten und Entwickeln durch Nutzen“. Deshalb liegt der Bund mit dem geplanten Förderprogramm zum klimaangepassten Waldmanagement richtig. Allerdings wäre angesichts der Sorgen der Waldbesitzenden mehr Eile geboten. In der Zwischenzeit können sie in NRW aber noch Gelder zur Schadensbeseitigung und Wiederaufforstung abrufen. Laut zuständigem Ministerium ist der Topf mit 45 Mio. € längst nicht ausgeschöpft.