In Hamminkeln diskutieren FDP-Bundestagsabgeordnete mit Landwirten

Foto: Christiane Närmann-Bockholt

Stallgeruch hatten die Bundestagsabgeordneten Dr. Gero Hocker, Bernd Reuther und Karlheinz Busen bereits am Nachmittag geschnuppert. Die drei Politiker, alle für die FDP im Bundestag, besuchten am Montag dieser Woche den Milchviehbetrieb Schmäh in Hamminkeln und konnten einen Eindruck gewinnen, wo und wie stark den Landwirten aktuell der Schuh drückt. Anschließend ging es in die Bürgerhalle Hamminkeln, um mit den Landwirten Johannes Leuchtenberg und Georg Biedemann auf dem Podium und rund 50 Gästen im Saal zu diskutieren und die einzelnen Baustellen genauer zu beleuchten.

Verantwortung der Verbraucher

In vielen landwirtschaftlichen Betrieben geht es um die Existenz, das weiß Wirtschaftswissenschaftler Gero Hocker aus seiner Arbeit als Abgeordneter aus Niedersachsen und als Mitglied im Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft. „Wissenschaftliche Expertise ist in den landwirtschaftlichen Debatten kaum noch relevant“, hielt Hocker fest und kritisierte den starken Einfluss von Nichtregierungsorganisationen und Lobbyverbänden auf die Gesetzesvorlagen.

Die deutschen Landwirte erzeugten Lebensmittel nach weltweit höchsten Standards, ohne dass ihre Arbeit honoriert würde. „Erst wenn der Verbraucher für die von ihm geforderten Standards einen angemessenen Preis bezahlt, wird es gelingen, dass er durch sein Konsumverhalten nicht gerade diejenigen Erzeuger fördert, die im Ausland zu genau den Standards produzieren, die man einem Bauern in Deutschland nie zugestehen würde“, machte Hocker deutlich mit einem Hinweis auf die bei Deutschen beliebten hochpreisigen Grillgeräte, auf deren Rost dann die preiswertesten Würstchen gelegt würden.

Mit der vermehrten Aufgabe von landwirtschaftlichen Betrieben sieht der Politiker die wachsende Gefahr, immer mehr Know-how und Wissen in Sachen Landbau zu verlieren und die Basis der eigenen Lebensmittelerzeugung zu gefährden. Nicht zuletzt komme der Landwirtschaft auch beim Klimaschutz mit der Nutzung der CO2-Speicherkapazitäten gesunder Böden eine entscheidende Rolle zu. „Es ist mehr als dringend, den Landwirten mit Wertschätzung zu begegnen und sie bei den anstehenden Herausforderungen zu unterstützen“, so Hockers Forderung.

Mehr Wertschätzung

Dem konnten die beiden Landwirte auf dem Podium kaum widersprechen. Johannes Leuchtenberg als Vorsitzender der Kreisbauernschaft Wesel machte deutlich, dass die Landwirtschaft „von der Politik links liegengelassen“ werde, Landwirte würden als Umsetzer für „ökologische Träumereien“ und immer weniger in ihrer Rolle als Erzeuger hochwertiger Lebensmittel gesehen. Deswegen sei auch die Initiative „LsV – Land schafft Verbindung“ zu begrüßen. Wenn Landwirtschaft in Berlin wieder stärker wahrgenommen werde, dann sei das auch ein Erfolg der LsV-Demonstrationen. „Es war allerhöchste Zeit, uns Landwirte politisch in den Mittelpunkt zu bringen. Das ist uns mit den bundesweiten Schlepper-Demos gelungen“, berichtete LsV-Sprecher Georg Biedemann und betonte, dass unter dem LsV-Logo wieder alle Betriebsrichtungen vereint agierten. Diese Chance zu nutzen und sich nicht ausei­nan­der dividieren zu lassen, dazu forderte Hocker die Organisationen auf.

Die „Bauernmilliarde“ war ein weiteres Thema der Diskussion. Politiker und Landwirte waren sich weitgehend einig, mit diesem „Schweigegeld“ werde keines der Probleme gelöst und der gewählte Begriff Bauernmilliarde schädige vor allem das Image der Landwirtschaft. Noch sei unklar, wofür das Geld eingesetzt werde. Ohne Zweifel seien enorme Finanzmittel erforderlich, vor allem mit Blick auf die neuen Anforderungen durch Düngeverordnung, Ackerbaustrategie und Umbau der Tierhaltung, vor denen die Landwirte stehen. Dass der Landwirtschaft berechtigt Gelder für ihre Leistungen zustehen, machte Biedemann unter Applaus deutlich. „Wir schaffen die Landschaft, die die Verbraucher schätzen. Wir erzeugen Lebensmittel zu hohen Standards. Wir bringen Leistungen, die wir bislang nicht vergütet bekommen“, gab der Landwirt den Abgeordneten eine Botschaft mit auf den Weg nach Berlin. cnb