Schwarz und Grün sind sich nicht immer grün. Aber Ursula Heinen-Esser und Jan Philipp Albrecht machen sich derzeit gemeinsam stark in Sachen Umgestaltung der Schweinehaltung. Die NRW-Landwirtschaftsministerin und ihr schleswig-holsteinischer Amtskollege plädieren für einen zügigen Tierwohlumbau. „Die Borchert-Empfehlungen müssen zügig umgesetzt werden. Uns läuft die Zeit davon“, betonte die NRW-Ministerin am Donnerstag vergangener Woche im Rahmen des Online-Dialogs „Zukunft einer nachhaltigen Schweinehaltung in Deutschland“, zu der sie und Albrecht gemeinsam eingeladen hatten.
Die Borchert-Kommission habe „grandiose Vorschläge“ zum Umbau der Tierhaltung vorgelegt, so Heinen-Esser. Die Ministerin zeigte sich überzeugt, dass zusammen mit der Einführung einer Tierwohlkennzeichnung die vorgeschlagene Abgabe von 40 Cent/kg Fleisch ein gutes Instrument sei, um den Landwirten das Geld für den Umbau ihrer Ställe zur Verfügung zu stellen. „Allerdings sind seit Vorlage der Empfehlungen inzwischen eineinhalb Jahre vergangen und es muss in der laufenden Legislaturperiode noch gelingen, die Dinge auf den Weg zu bringen. Jetzt müssen Pflöcke für eine nachhaltige Nutztierhaltung eingeschlagen werden“, forderte Heinen-Esser. Eine Bundestagswahl stehe vor der Tür und dies könne zu enormen Verzögerungen führen. Die von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie müsse daher schnell vorgelegt werden. Hier sei sie anderer Meinung als ihre Amtskollegin, räumte Heinen-Esser ein. Die Finanzierung des Umbaus der Tierhaltung sollte jetzt schnell auf den Weg gebracht werden. „Es geht ja schließlich um Existenzen landwirtschaftlicher Betriebe“, so die CDU-Politikerin. Sie will in jedem Fall das Thema Tierwohlumbau auf der Frühjahrsagrarministerkonferenz auf die Tagesordnung setzen und notfalls auch durch eine Bundesratsinitiative die Umsetzung beschleunigen.
Und hier hat sie den schleswig-holsteinischen Agrarminister mit im Boot. „Ohne eine gesicherte Finanzierung kann es nicht zum Umbau der Tierhaltung kommen, sonst haben wir eher einen Rückbau statt einen Umbau“, befürchtet der Grünen-Politiker. Es helfe niemandem, wenn das Borchert-Modell weiterhin in die Länge gezogen würde. „Unsere jungen Landwirte brauchen endlich Planungssicherheit“, betonte Albrecht. Seiner Meinung nach müssen aus der jüngsten Krise am Schweinemarkt Lehren gezogen werden und Zukunftsperspektiven entwickelt werden. Dabei gehe es nicht um „Wachsen oder Weichen“ oder die „Just-in-time-Produktion für den Weltmarkt“, sondern darum, eine nachhaltige Schweinehaltung mit Fördermöglichkeiten auf den Weg zu bringen.
Was die Finanzierung des Umbaus der Tierhaltung anbelangt, so wartete Prof. Dr. Uwe Latacz-Lohmann von der Uni Kiel bei dem Online-Dialog mit einem Vorschlag auf. Er empfahl, zunächst GAP-Mittel zu nutzen im Sinne einer Anschubfinanzierung. „Es könnten künftig bis zu 30 % der Mittel aus der ersten Säule in die zweite Säule umgeschichtet werden“, meinte der Wissenschaftler. Bislang liege das Umschichtungspotenzial nur bei rund 6 %.
Wird es auch künftig noch eine Schweinehaltung in Deutschland geben? Prof. Dr. Markus Mergenthaler von der Fachhochschule Südwestfalen zeigte sich da optimistisch. Der Umbau der Tierhaltung bietet nach seiner Auffassung Chancen für die Regionalvermarktung. Hier empfahl er, auch andere in die Regionalvermarktung einzubeziehen, beispielsweise regionale Futtermittelhändler. Außerdem appellierte er an die Branche, vermehrt an komplett geschlossenen Lieferketten zu arbeiten. el