Kirschenanbau gefährdet

Foto: Birgit Scheel

Die Kirschen sind reif. Beim Anblick der saftig-knackigen Süßkirschen könnte man den Eindruck gewinnen, bei den Kirschenerzeugern sei die Welt in Ordnung. Dass dies nicht so ist, machten die rheinischen Obstbauer am Mittwoch vergangener Woche bei einer Informationsveranstaltung auf dem Obsthof Felten in Meckenheim deutlich.

„Wie kann es sein, dass zum Beispiel türkische Süßkirschen, die mit Pflanzenschutzmitteln behandelt werden, die in Deutschland ein Anwendungsverbot haben, den Weg in die deutschen Supermarktregale finden?“, gab der Vorsitzende der Fachgruppe Obstbau Bonn/Rhein-Sieg, Ferdinand Völzgen, zu bedenken. Auch wenn die gesetzlich erlaubten Höchstgehalte an Rückständen von Pflanzenschutzmitteln eingehalten würden, sei es nicht nachvollziehbar, dass diese Kirschen den Weg zum Verbraucher fänden. Die deutschen Kirschenerzeuger betreiben eine moderne Produktion mit einem hohen Aufwand, um heimisches Obst in direkter Nähe zu den Verbrauchern unter deutlich höheren deutschen Umwelt- und Sozialstandards zu produzieren. Zu Preisen, zu denen importiertes Obst von den unterschiedlichsten Orten dieser Welt zeitweise in den Discountern und anderen Supermärkten angeboten wird, sei das allerdings nicht möglich, unterstrich Völzgen. „Wir werden dafür abgestraft, dass wir – wie vom Gesetzgeber gefordert – in Sachen Lebensmittelproduktion auf umweltfreundlichere Produktionsverfahren umstellen“, so Völzgen und fragte, wo der gelebte Klima- und Umweltschutz bleibe, wenn Nahrungsmittel aus dem Ausland billig eingeführt, die dortigen Produktionsweisen aber nicht hinterfragt würden.

Gastgeber der Veranstaltung, Manfred Felten, stellte den Verbrauchern seinen Obstbetrieb und die moderne Kirschenproduktion vor. Im Namen vieler junger Obstbauern bat Philip Wißkirchen, Vorsitzender vom Netzwerk junger Obstbauern, die Verbraucher um Unterstützung der Familienbetriebe aus der Region, die unter modernsten Technologien klimafreundlich und unter Beachtung des Natur- und Artenschutzes Obst produzieren. Wenn für den regionalen Obstbau keine besseren Bedingungen geschaffen würden, könnte dies schlimme Auswirkungen nicht nur für die Produzenten, sondern auch für Verbraucher sowie Umwelt haben, so Wißkirchen abschließend. Birgit Scheel