Angesichts der zunehmenden Zahl an Wolfsrissen in Deutschland hat sich Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner für eine stärkere Bejagung dieser geschützten Art in bestimmten Regionen ausgesprochen. Dabei gehe es nicht darum, den Wolf auszurotten, stellte Klöckner gegenüber der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ klar. „Aber wenn wir die Weidetierhaltung in einigen Regionen nicht aufgeben wollen, müssen wir handeln“, betonte die CDU-Politikerin. Auf klare Ablehnung stieß Klöckner mit ihrem Vorschlag bei den Bündnisgrünen. Deren Sprecherin für Ernährungs- und Tierschutzpolitik, Renate Künast, warf der Ministerin vor, einmal mehr vom eigenen Versagen in der Agrarpolitik ablenken zu wollen. Klöckner selbst und die Union hätten stets verhindert, die Situation der Weidetierhalter zu verbessern. Deutschland hätte längst eine nationale Weidetierprämie einführen können, um beispielsweise die wirtschaftliche Situation von Schafhaltern zu stärken, so Künast. Erstaunt über den Vorstoß seiner Berliner Amtskollegin reagierte Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus. Er erinnerte daran, dass es für eine lokale Bejagung des Wolfes keine Rechtsgrundlage gebe. Erst wenn von Brüssel der günstige Erhaltungszustand dieser geschützten Tierart attestiert werde, könne es Maßnahmen zum Bestandsmanagement geben. „Ich habe Frau Klöckner mehrfach darum gebeten, sich bei der EU dafür einzusetzen – Ergebnis Null“, so der Ressortchef.
Die Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände (VDL) zeigte sich unterdessen wenig überrascht von den in der vorvergangenen Woche von der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes (DBBW) zum Thema Wolf vorgelegten Zahlen zu den Wolfsrissen. „Das war zu erwarten. Die jährliche Steigerung von etwa 30 % hat sich sowohl bei den Zahlen der Wölfe in Deutschland als auch bei den von ihnen verursachten Schäden annähernd bestätigt“, erklärte der VDL-Vorsitzende Alfons Gimber. Die DBBW-Zahlen zeigten, dass Prävention allein nicht genüge. Zudem seien in den genannten Präventionsausgaben nicht die zahlreichen Maßnahmen enthalten, die von den Schafhaltern auch ohne Förderung zum Schutz ihrer Tiere ergriffen worden seien, erklärte Gimber. Er stellte klar, dass es den Schafhaltern nicht nur ums Geld gehe. Seit Jahren forderten sie ein Wolfsmanagement, um nicht die Schafhaltung mit ihren Leistungen gegenüber der Gesellschaft – unter anderem beim Küstenschutz und der Landschaftspflege – dem Wolf zu opfern. Erschreckend ist laut Gimber auch eine im vergangenen Jahr vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) vorgelegte Studie, der zufolge 700 bis 1 400 Wolfsterritorien in Deutschland für möglich gehalten werden. Als Konsequenz könnte dies bis zu 10 000 Wölfe in Deutschland bedeuten. Solide Schätzungen gingen bereits heute von einem Bestand von 1 500 bis 2 000 Wölfen aus.
AgE