Fällt Ihnen bei der Bildbeschriftung dieses offiziellen BMEL-Fotos von der Abschlusskonferenz zur „Studie zur Lebens- und Arbeitssituation von Frauen in der Landwirtschaft in Deutschland“ etwas auf? Vielleicht ist es etwas kleinkariert, davon auszugehen, dass bei einer Frauenstudie, die von hoch angesehenen Wissenschaftlerinnen in Zusammenarbeit mit langjährig engagierten und verdienten Landfrauen erstellt wurde, auch die Frauen im Mittelpunkt stehen sollten. Vielleicht ist es auch zu viel verlangt, wenigstens die offiziellen Repräsentantinnen mit Namen, Titel und Funktion zumindest zu erwähnen. Denn wenn man es genau betrachtet, hat der einzige in der Pressemeldung namentlich Erwähnte – ein Mann – mit der Studie herzlich wenig zu tun: Initiiert wurde sie vor seiner Amtszeit, mitgewirkt hat er meines Wissens nach nicht und bei der Eröffnung einer Abschlusskonferenz eine vorbereitete Rede vorzulesen ist kaum eine erwähnenswerte Leistung. Wenn der Herr Minister in über 500 Worten zitiert wird, was er über die Ergebnisse der Studie so alles denkt, frage wohl nur ich mich, wa-rum das Ministerium nicht auch diejenigen zu Wort kommen lässt, die dazu wirklich etwas sagen könnten – die Wissenschaftlerinnen und die Betroffenen.
Der ministerielle Dank gilt dann – immerhin bleibt er sich dabei treu – auch ganz allgemein „der Universität Göttingen und dem Thünen-Institut für die umfassende Erhebung“. Aber wenn er es schon nicht tut, will ich die Namen nennen: Vom Thünen-Institut haben Dir. und Prof. Dr. Hiltrud Nieberg, Dr. Zazie von Davier, Dr. Susanne Padel, Imke Edebohls und Anja-Karolina Rovers die Studie betreut, vom Lehrstuhl für Soziologie Ländlicher Räume an der Universität Göttingen Prof. Dr. Claudia Neu, Janna Luisa Pieper, Dagmar Wicklow und Anika Bolten. Meine Damen: Der Dank gebührt Ihnen! Und natürlich den beteiligten Landfrauen. Auch wenn die beiden Vorsitzenden Petra Bentkämper und Juliane Vees die Ehre hatten, auf einem offiziellen Foto Seit’ an Seit’ mit dem Minister zu stehen, nimmt man es ihm irgendwie nicht so ganz ab, wenn er sagt: „Mein besonderer Dank geht auch an den Deutschen Landfrauenverband – für Ihre Arbeit, aber auch für ihre Hartnäckigkeit, was die Studie betrifft. Die Studienergebnisse liefern wichtige Impulse für alle Mitglieder der Bundesregierung, um die Gleichberechtigung der Geschlechter weiter voran zu treiben.“
Als ersten Impuls sollte sich das BMEL mal Gedanken darüber machen, warum Frauen bei ihnen namenlos bleiben. Sich gerade bei diesem Thema so sehr zu weigern, auch Frauen zu Wort kommen zu lassen, widerspricht allem, was die Studie im Sinn hatte. Und es zeigt: Nicht nur auf den Höfen bleibt in Sachen Gleichberechtigung noch viel zu tun.
Kathrin Fries