Mitte Mai trafen sich auf dem Stautenhof der Familie Leiders in Willich-Anrath Landwirtinnen und Landwirte zum Fachtag Kompost. Dazu hatten zum zweiten Mal die Bio-Verbände Bioland und Naturland gemeinsam mit dem Verband der Humus- und Erdenwirtschaft, VEH, eingeladen.
Der Kompost als langsam wirkender Dünger war dann auch das Hauptthema, dem sich zunächst Dr. Konrad Egenolf und Holger Fechner, Düngeexperten der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, in ihren Vorträgen widmeten. „Aus der Bodenzustandserhebung geht hervor, dass die Humusvorräte landwirtschaftlich genutzter Böden in Deutschland in Ackerböden durchschnittlich bei 100 t/ha und unter Grünland bei 140 t/ha liegen. Standort und Klima können wir als Landwirte nicht beeinflussen. Einen großen Einfluss auf die Humusvorräte hat aber die Bewirtschaftung der Böden. Hier können wir die Organik sehr wohl davor schützen, dass sie veratmet wird, und den Boden als Kohlenstoffspeicher erhalten“, betonte Konrad Egenolf. So erreiche man durch die Aggregatstabilisierung, sprich intakte Ton-Humus-Komplexe, einen stabilen Humus-Pool – „zu unterstützen durch regelmäßige, langfristige Wirtschaftsdüngergaben. Und auch die sogenannten Wurzelexsudate können die Ton-Humus-Komplexe fördern. Im Mittel werden 46 % des Wurzelkohlenstoffs in Humus eingebaut und nur 8 % des Sprosskohlenstoffs“, wusste Dr. Egenolf. „Wurzelexsudate tragen also deutlich effektiver zum Humusaufbau bei als Wurzeln, Erntereste und organische Dünger.“
Der Referent gab weiter folgende Handlungsempfehlungen zur Humusstabilisierung:
# auf eine ausreichende Calciumversorgung achten – optimalen pH-Wert durch regelmäßige Erhaltungskalkung einstellen,
# hohe Kali-Gaben, auch aus Rindergülle oder Gärresten, sind zu vermeiden,
# Schonung der Bodenstruktur und Reduzierung der Bodenbearbeitung auf das Nötigste; Bodenverdichtungen vermeiden,
# Durchwurzelung und Wurzelexsudation fördern, Erhalt von Ton-Humus-Komplexen insbesondere auf schweren Böden,
# Bodenleben fördern, unter anderem durch Mulchwirtschaft, Zwischenfrüchte, Untersaaten, sodass das Bodenmikrobiom kontinuierlich versorgt ist,
# Versorgung mit Streustoffen/organischen Düngemitteln im Blick behalten; insbesondere auf leichten Böden: Wurzelbiomasse, Strohmanagement, Wirtschaftsdünger, Komposte,
# Einsatz langsam wirkender Dünger, wie Kompost, als langsam, kontinuierlich fließende Nährstoffquelle.
Kompost im Düngerecht
Bei Holger Fechner ging es um Kompost im Spannungsfeld zwischen Pflanzenbau und Düngerecht. „Kompost ist ein wichtiger organischer Bodendünger mit vielfältigen Funktionen. Seine Anwendung gemäß der guten fachlichen Praxis beinhaltet, dass Art, Menge und Zeitpunkt der Anwendung am Bedarf der Pflanzen und des Bodens ausgerichtet werden. Kompost und auch Champost unterliegen dabei zahlreichen düngerechtlichen Regularien und genießen zum Teil Sonderregelungen: Die N-Obergrenze liegt hier nicht bei 170 kg Norg/ha und Jahr im Betriebsdurchschnitt oder pro Fläche, sondern beträgt bei Komposten und Champost 510 kg Norg/ha in drei Jahren“, zitierte Fechner aus § 3 (2) des Düngegesetzes. Außerdem sei kein Aufbringen außerhalb der Sperrfristzeiten auf gefrorenem Boden erlaubt.
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