Die EU setzt beim Umbau der Landwirtschaft nach Einschätzung des Präsidenten des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied, aufs „falsche Pferd“. Dieser bezeichnete vergangene Woche bei einer DBV-Fachtagung die im Rahmen der Transformationsstrategien, wie etwa Farm-to-Fork, formulierten starren Reduktionsziele zum Pflanzenschutz- und Düngereinsatz als „Konzepte aus dem letzten Jahrhundert“. Nötig seien „smarte Lösungen“ für eine nachhaltigere und zugleich produktive Landwirtschaft. Rukwied plädiert für die Weiterentwicklung von Methoden und Techniken, die mit einem geringeren ökologischen und klimatischen Fußabdruck unverändert hohe Erträge und Qualitäten ermöglichen. Er sieht die EU zugleich in der Pflicht, für einen stärkeren Schutz der heimischen Landwirtschaft zu sorgen. Hierzulande werde längst nach höheren Nachhaltigkeitsstandards als im Rest der Welt gewirtschaftet. Die EU dürfe deshalb keine Einfuhren von Waren zulassen, die diese Standards unterlaufen.
Bei der gleichen Veranstaltung äußerte der Landhändler Ludwig Striewe von der BAT Agrar GmbH Bedenken, dass die Umsetzung der EU-Nachhaltigkeitsstrategien ohne Beachtung der Folge-effekte wenig Nutzen für den Klimaschutz habe, dafür aber die Ernährungssouveränität der EU-Länder deutlich gefährde. Nach einer Studie der Universität Kiel würde die Farm-to-Fork-Strategie bis 2030 EU-weit jährlich insgesamt 109 Mio. t Treibhausgas (THG)-Emissionen einsparen. Dem stünden wegen eines höheren Flächenbedarfs sowie anderer Effekte durch Produktionsverlagerung zusätzliche Emissionen von 104 Mio. t gegenüber. Die überschaubare THG-Einsparung würde unter anderem mit einer um mindestens 50 Mio. t geringeren Getreideproduktion erkauft, womit die EU kein Netto-Getreideexporteur mehr wäre. Auch bei anderen Produkten werde die EU den Status als Selbst- oder Drittlandversorger einbüßen. Angesichts dieser Aussichten und in Anbetracht der aktuell sehr engen weltweiten Getreidebilanzen vermisst Striewe in der Diskussion um die Transformation der Landwirtschaft die Beachtung und Sicherstellung der europäischen Ernährungssicherung. Der Händler forderte die Politik deshalb auf, das Thema Ernährungssicherung gleichrangig zum Klima-, Natur- und Artenschutz zu behandeln. AgE