Kritik an Taube-Gutachten

Foto: imago/Westend61

Wenig Verständnis hat der Deutsche Bauernverband (DBV) für die Schlussfolgerungen, die Prof. Friedhelm Taube von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel vergangene Woche in einem Gutachten zum novellierten deutschen Düngerecht vorgelegt hat (siehe Meldung zum Gutachten). Präsident Joachim Rukwied bezeichnete das vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) beauftragte Gutachten als „bestellte Musik“ und wies Forderungen nach einer pauschalen Absenkung der Düngerobergrenzen zurück.

Generalsekretär Bernhard Krüsken hatte zuvor Zweifel an der Methodik des Gutachtens geäußert. Er wies da­rauf hin, dass das aktuelle Düngerecht so streng wie noch nie sei und durch die Novellierung im Jahr 2020 nochmals verschärft worden sei. Schon jetzt sei erkennbar, dass die Maßnahmen wirken. Der tatsächliche Erfolg werde aufgrund der geologischen Gegebenheiten jedoch erst mittelfristig ersichtlich sein. Weitere Forderungen nach einer Verschärfung seien unverhältnismäßig und in Teilen fachlich nicht zu rechtfertigen.

Kritisch setzt sich auch der RLV mit dem Gutachten auseinander. Insbesondere die pauschale Kritik des Gutachters hinsichtlich der Modellbetrachtung treffe für das Vorgehen in NRW nicht zu. RLV-Präsident Bernhard Conzen stellt klar: „In NRW wurde die Kulisse nicht kürzlich kleingerechnet. Wir nutzen in NRW ein Modell, das im Rahmen eines Projektes unter Beteiligung renommierter Wissenschaftler sowie den Experten aus der Gewässerwirtschaft, den Umweltverbänden und der Landwirtschaft entwickelt wurde.“

Der RLV hält das Vorgehen des BDEW für abenteuerlich, im Nachhinein in dieser nicht sachgerechten Form Kritik zu üben. Schließlich hat der Erftverband die Modellergebnisse anhand seines Messstellennetzes validiert und konstatiert; das Modell komme zu einer verlässlichen Einschätzung. Vor dem Hintergrund der hohen Akzeptanz aller gesellschaftlichen Gruppen im Rahmen der Konzeption des Modells und der positiven Bewertung der Gewässerwirtschaft habe sich die Landwirtschaft in NRW für die Anwendung des Modells ausgesprochen. Daher appelliert der RLV an die Gewässerwirtschaft in NRW, in den eigenen Reihen das sachgerechte Vorgehen zu erläutern. Schließlich fordere die Deutsche Vereinigung Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) sogar eine flächendeckende Anwendung des Modells im Rahmen der emissionsbasierten Bewertung von Grundwasserkörpern.

AgE/ds