Das Sortieren, Behandeln oder Verladen von Weidetieren kann leicht zu Problemen führen. Die Tiere möchten nicht auf den Anhänger oder laufen in eine andere Richtung als eigentlich vorgesehen. Abhilfe sollen hier Methoden des stressarmen Herdenmanagements, auch Low Stress Stockmanship (LSS) genannt, schaffen.
Keine Frage: Erfahrene Landwirte kennen ihre Tiere und wissen, wie sie sie am geschicktesten treiben oder verladen. Doch wer noch Erfahrungen sammeln muss, freut sich über hilfreiche, praxiserprobte Tipps. Diese gab es in einem Seminar im Versuchs- und Bildungszentrum Landwirtschaft Haus Riswick in Kleve.
„Wenn Rinder vor einer Rampe stehen und keinen Schritt mehr tun, wird ihnen schnell unterstellt, dass sie uns ärgern möchten, dabei haben sie einfach nur Angst“, sagte Philipp Wenz. Er ist selbstständiger Berater für stressarmen Umgang mit Weidetieren und in den USA auf das Thema LSS gestoßen. Er war mehrfach dort, um zu lernen, wie ein für Mensch und Tier stressfreies Treiben möglich ist.
Wie funktioniert LSS?
Die Methode des LSS basiert auf dem Zusammenspiel zwischen Position und Bewegung. „Ich muss wissen, wie ich mich gegenüber dem Tier bewege, damit es das macht, was ich möchte“, erklärte Wenz. Tierhalter müssten zu Beginn verstehen, dass jedes Tier um sich herum drei Bereiche hat:
- Die neutrale Zone befindet sich ganz außen. Hier beachten die Tiere den Menschen nicht.
- In der Beobachtungszone nehmen die Tiere den Landwirt wahr und beobachten ihn, zeigen aber noch keine Reaktion.
- In der Bewegungszone nah am Tier reagiert es schnell und setzt sich in Bewegung.
Laut Wenz sind die Zonen bei jedem Tier unterschiedlich groß. „Bei besonders scheuen Tieren ist die Bewegungszone sehr schnell erreicht“, sagte der Experte.
Wenn nun ein Tier in eine Richtung getrieben werden soll, muss man zunächst herausfinden, wo die Grenze zwischen Beobachtungszone und Bewegungszone ist. Setzt sich die Kuh gerade in Bewegung, ist diese Grenze erreicht. Die Kuh läuft los, da ihr der Mensch nun zu nahekommt, sie empfindet einen Druck, dem sie entgehen möchte. „Man kann das Tier belohnen, indem man wieder etwas Druck herausnimmt und in die Beobachtungszone zurücktritt“, nannte Wenz eine weitere Möglichkeit der Steuerung.
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