Als Ministerpräsident Hendrik Wüst am Mittwoch vergangener Woche sein neues Kabinett vorgestellt hat, war die Überraschung groß. Denn zwei Personalien hatte kaum jemand als Besetzungen im neu formierten Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz (MLV) auf dem Zettel. Tatsächlich gilt Silke Gorißen, bisher Landrätin im Kreis Kleve, agrarpolitisch als unbeschriebenes Blatt. Dafür bringt Dr. Martin Berges als neuer Staatssekretär und langjähriger Direktor der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen umso mehr Sachverstand in landwirtschaftlichen Fragen mit. Mit der Kombination hat Wüst klug gehandelt.
Als Frau und Juristin mit Verwaltungserfahrung passt Gorißen perfekt in das Bild, das die Regierungskoalition abgeben will: Progressiv und mit dem Anspruch, Gegensätze zu versöhnen. Tatsächlich sagt man ihr nach, dass sie Brücken bauen könne. So habe sie es, seit sie im November 2020 das Amt als erste Landrätin in Kleve angetreten hat, durchaus geschafft, die Gräben zwischen den Lagern im Kreistag zu verringern. Einige Bürgermeister und viele Kommunalpolitiker im Kreis würden daher ihren Wechsel nach Düsseldorf sehr bedauern. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge haben auch Landwirtinnen und Landwirte am Niederrhein die Nachricht aufgenommen. So hätte Gorißen in zahlreichen Gesprächen mit der Landwirtschaft vor und nach ihrer Wahl zur Landrätin viel Verständnis für deren Anliegen aufgebracht; seien es die Sorgen um die weitere Ausweisung von Schutzgebieten, die Festlegung von Roten Gebieten, der Gänsefraß, die Bedrohung der Weidetierhaltung durch den Wolf oder die Zukunft der Nutztierhaltung. Allerdings: Konkrete Verbesserungen für die Landwirtschaft konnte sie in knapp 20 Monaten Amtszeit nicht bewirken. Die Kehrseite: Gorißens Wechsel ins Kabinett Wüst nährt die Hoffnung, dass der Draht nach Düsseldorf nun kürzer ist und drängende Anliegen so eher Gehör finden.
Mit der Trennung des bisherigen Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz (MULNV) werden die den neuen Ministerien für Landwirtschaft und Verbraucherschutz (MLV) sowie Umwelt, Naturschutz und Verkehr (MUNV) zugeordneten Abteilungen an verschiedenen Standorten untergebracht. Das MUNV bleibt am Standort des früheren MULNV. Dienstsitz von Silke Gorißen und Dr. Berges ist am Stadttor, wo bisher das Ministerium für Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen untergebracht war.
ds
Zur Person
Silke Gorißen wurde 1971 geboren, hat Jura studiert und arbeitete mehr als zehn Jahre als selbstständige Rechtsanwältin. Sie trat 1990 der Jungen Union bei. Im September 2020 wurde sie in einer Stichwahl zur ersten Landrätin im Kreis Kleve gewählt und trat dieses Amt im November 2020 an. Gorißen hat einen schulpflichtigen Sohn. Ihr Mann ist Richter am Landgericht in Kleve.