Landurlaub beliebter denn je – Dennoch: Auflösung der AG Komm aufs Land beschlossen

Foto: Sabine Aldenhoff

„Heute haben wir unsere letzte Mitgliederversammlung. Im Vorstand sehen wir das mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, eröffnete Sabine Köhne, Vorsitzende der „Komm aufs Land Arbeitsgemeinschaft für Urlaub auf dem Bauernhof in NRW e. V.“ am Mittwoch vergangener Woche die Versammlung in Schmallenberg. Auch wenn seit Corona der Urlaub in Deutschland und speziell auf dem Land boomt, muss der fast 40 Jahre alte Verein doch aufgelöst werden. Der Strukturwandel macht auch vor Ferienbauernhöfen nicht halt: Während die einen schließen, erhöhen die anderen ihre Bettenzahl.

In der Spitze 306 Betriebe

Nach der Gründung im Jahr 1982 mit 39 Mitgliedern, war die Mitgliederzahl bis 2002 auf den Spitzenwert von 306 Betrieben angewachsen. Von da an ging die Zahl durch Betriebsaufgaben kontinuierlich zurück auf heute 133 Mitglieder. Auch von denjenigen werden noch einige aufhören, weil es keine Nachfolger gibt. „Von den verbleibenden Mitgliedern kann man nicht erwarten, bei steigenden Kosten und sinkenden Fördermitteln immer höhere Mitgliedsbeiträge zu zahlen“, betonte Köhne. Ursprünglich war der Katalogvertrieb auf Messen das „Kerngeschäft“ des Vereins. Kataloge und Broschüren seien zwar auch im digitalen Zeitalter noch gefragt, aber die Mitglieder seien kaum noch bereit gewesen, für Anzeigen Geld auszugeben und die Standdienste auf den Messen zu übernehmen.

Zu diesen Gründen käme hinzu, dass die Urlaubshöfe sich ganz unterschiedlich entwickeln und spezialisieren, dass sie professioneller geworden und die Ansprüche der Gäste gestiegen seien, so die Vorsitzende. „Außerdem beeinflussen Bewertungsportale zunehmend die Urlaubshofentscheidung.“ So beschloss die Mitgliederversammlung einstimmig die Auflösung der AG Komm aufs Land zum 31. Dezember 2021. In vielen anderen Bundesländern seien vergleichbare Vereine auch bereits aufgelöst worden oder stünden kurz vor der Auflösung, merkte Sabine Köhne an.

Nach den Regularien zur Vereinsauflösung und Bestellung der Liquidatoren sorgte die von Geschäftsführerin Re-nate Carstens und Landservice-Agrar-

marketingberaterin Renate Miethe gestaltete Bildpräsentation „Rückblick auf 39 Jahre Komm aufs Land“ für ein bisschen Wehmut und das ein oder andere Schmunzeln.

Neu: „AG Landurlaub NRW“

„So, und jetzt kommt das lachende Auge: Wir haben bei der Landwirtschaftskammer weiterhin die Möglichkeit, vieles beizubehalten, was wir bei Komm aufs Land hatten, nicht als Verein, aber als Arbeitsgemeinschaft“, zeigte die Vorsitzende den Mitgliedern auf, wie es für sie ohne den Verein weitergehen kann. Das neue Angebot der Kammer stellte Neele Große Vogelsang, Leiterin des Fachbereichs Landservice, vor. Einmal im Jahr wird es ein Marktingseminar auf Haus Düsse geben, bei dem auch der persönliche Austausch nicht zu kurz kommen soll. Ebenso bei Lehrfahrten, die weiterhin alle zwei Jahre stattfinden sollen (separate Abrechnung). Außerdem bekommen die Teilnehmer vier Newsletter im Jahr mit aktuellen Informationen, eine Vollpräsentation ihres Ferienhofes auf www.landservice.de und einen Last-Minute-Service für freie Betten in den Ferien. Über weitere Vorteile des neuen Kammerangebotes informiert gerne die Landservice-Beratung.

Die vom aufgelösten Verein verbleibenden Mittel nach Auskehrung werden laut Beschluss der Mitgliederversammlung für externe Referentenkosten, die bei Weiterbildungsveranstaltungen der Arbeitsgemeinschaft Landurlaub NRW anfallen, an die Landwirtschaftskammer NRW gehen. So kommen sie den Mitgliedern, die sich für die neue AG entscheiden, zugute.

Bereits seit einigen Jahren gibt es bei der Landwirtschaftskammer den Unternehmerkreis „Urlaub auf dem Bauernhof“, der mit seinem Angebot mehr auf Fachvorträge und gegenseitige Betriebsbesichtigungen dreimal im Jahr ausgerichtet ist. Auch dieser kann alternativ oder zusätzlich für den einen oder anderen Ferienbetrieb interessant sein.

Landtourismus voll im Trend

Dass die Ferienhöfe mit ihrem Angebot genau richtig liegen, konnte Karsten Heinsohn, stellvertretender Geschäftsführer dwif-Consulting GmbH, in seinem Vortrag bestätigen. Zwar habe es aufgrund der Pandemie 2020 einen deutlichen Einbruch bei der Zahl der Übernachtungen gegeben, aber insbesondere im ländlichen Raum seien nach Wiedereröffnung Betten sehr gefragt gewesen. „Campingplätze und Ferienwohnungen sind am besten durch die Krise gekommen“, so der Experte. Diese Segmente des Tourismus hätten zuvor schon im Trend gelegen, was durch die Pandemie noch verstärkt wurde.

Viele der aktuellen Mega-Trends spielten dem Landtourismus in die Karten, beispielsweise die Sehnsucht nach Natur, die Frage nach Nachhaltigkeit, die Suche nach einzigartigen Erlebnissen. Allerdings hätten die heutigen Urlauber steigende Ansprüche und ein aus-

geprägtes Qualitätsbewusstsein. Das Preis-Leistungs-Verhältnis müsse stimmen. Auch auf dem Land würden Modernität und Digitalisierung erwartet, ob das das verfügbare WLAN-Netz ist, bargeldloses Bezahlen oder die Online-Buchung. Wichtig sei für Urlaubsanbieter eine eigene Website mit aktuellen Inhalten, Infos und emotionalen Bildern, die Auffindbarkeit in Buchungsportalen sowie das Auftreten in Social Media, ebenfalls mit stets aktuellen Inhalten, betonte Heinsohn.

Weitere Trends und Nischen mit Chancen zur Spezialisierung könnten sein: Urlaub mit Hund, höherwertige Angebote für Paare, neue Konzepte für stressgeplagte Großstädter, mobiles Arbeiten auf dem Land, Design-Appartements oder besondere Unterkünfte wie beispielsweise Baumhäuser oder Fässer. Auch mit Zusatzservices könnten Urlaubsanbieter punkten wie beispielsweise mit einem Willkommenspaket aus der Region, Brötchenservice, Shuttles, Zwischenreinigung oder Infos zu Freizeitangeboten. Auf den Höfen stünden Angebote wie Ponyreiten, Mithilfe im Stall, Treckertouren, Selbstpflückveranstaltungen oder Grillabende hoch im Kurs, so der Referent vom Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Institut für Fremdenverkehr e. V. (dwif).

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