Nach heftigen Protesten aus dem bäuerlichen Berufsstand hat sich der Landwirtschaftliche Versicherungsverein Münster (LVM) für eine Kampagne zur veganen Ernährung entschuldigt. Das Unternehmen hatte zu Jahresbeginn in den sozialen Medien die Kampagne „Veganuary“ unterstützt. Diese will Menschen dazu animieren, sich im Januar ausschließlich vegan zu ernähren. In diesem Zusammenhang wies die LVM auf das vegane Speisenangebot ihrer Kantine hin und bewarb diese Art der Ernährung als vorteilhaft für den Tier- und Klimaschutz. Zur Bekräftigung legte sie Zahlen der Harvard University und der Vegan Society UK unter anderem zu ernährungsbedingten CO₂-Einsparungen vor. Gegen die Aktion wurden sowohl unter den Versicherten als auch in der bäuerlichen Berufsvertretung, etwa bei den Freien Bauern Deutschland, lauter Protest und Rufe nach einer Entschuldigung laut. Auch mit der Kündigung
von Versicherungsverträgen wurde gedroht. Die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) kritisierte insbesondere „derartige Plattitüden, mit denen die Tierhaltung verunglimpft wird“. Hier sei mehr Sorgfalt bei der Informationsbeschaffung nötig.
Als Reaktion auf die Proteste bedauerte die LVM am Freitag vergangener Woche in einem Schreiben an die Vertrauensleute und Kunden, leider den Eindruck erweckt zu haben, eine rein vegane Ernährung zu unterstützen. „Das ist selbstverständlich nicht so“, versicherte das Unternehmen, das den Social-Media-Beitrag inzwischen gelöscht hatte. Noch dazu habe man das Thema schlecht aufbereitet und diskussionswürdige Zahlen zitiert. Die LVM stehe für Offenheit und nicht dafür, Menschen einen Lebensstil zu empfehlen. Außerdem bekenne sie sich nachdrücklich zu ihren „landwirtschaftlichen Wurzeln“. Die Irritationen, die der Beitrag bei vielen Landwirten ausgelöst habe, seien gut nachzuvollziehen. Daher „bitten wir insbesondere unsere landwirtschaftlichen Kunden um Entschuldigung“.
Die LVM beschäftigt sich seit längerem mit dem Thema Veganismus. So erläuterte sie 2022 in ihrer Social-Media-Reihe „Upgeklärt“, was Ethik, Umwelt und Gesundheit mit Veganismus zu tun haben. Und auch für einzelne Niederlassungen ist der Veganismus Thema. Auf seiner Facebook-Seite postete ein LVM-Team in Cuxhaven am 14. September 2021 ein Statement für vegane Milch. Diese biete den Vorteil, dass ihre Hersteller keine Tiere ausbeuteten, hieß es. Kühe würden dagegen in „Massenbetrieben“ auf „engstem Raum zwischen Gitterstäben als reines Produktionsmittel gehalten“.
AgE