Im deutschen Lebensmitteleinzelhandel (LEH) verfügen wenige große Konzerne über eine unverhältnismäßig hohe Marktmacht. Dadurch können sie Preise sowie die Verteilung von Gewinnen maßgeblich beeinflussen. Um Landwirte, Beschäftigte und Verbraucher besser zu schützen, sollte der Staat stärker regulierend in den Markt eingreifen. Diesen Schluss ziehen Heinrich-Böll-Stiftung, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sowie der Dachverband Kritische Aktionärinnen und Aktionäre in ihrem „Konzernatlas 2026“.
„Je stärker sich Märkte konzentrieren, desto mehr profitieren in Krisenzeiten wenige große Konzerne, während bei vielen Agrarbetrieben kaum etwas ankommt“, erklärte die Vorständin der Heinrich-Böll-Stiftung, Dr. Imme Scholz, bei Vorstellung des Berichts am Mittwoch vergangener Woche. Wie in dem Atlas ausgeführt wird, beherrschen hierzulande die vier großen Lebensmitteleinzelhändler Aldi, Edeka, Rewe und die Schwarz-Gruppe rund 88 % des Marktes. Über die Jahrzehnte hat diese Konzentration demnach deutlich zugenommen; 1995 betrug der Anteil der vier großen Player noch 55 %.
Die Autoren des „Konzernatlas 2026“ empfehlen unter anderem eine unabhängige Preis- und Margenbeobachtungsstelle in Deutschland. Dass übermäßige Gewinne im Zweifel auch abgeschöpft werden können müssten, bekräftigte Böll-Vorständin Scholz. Zudem sei ein konsequenteres Vorgehen gegen unfaire Handelspraktiken notwendig. Auch bei der EU-Richtlinie gegen unfaire Handelspraktiken (UTP) sieht sie Nachbesserungsbedarf. Vor allem brauche es eine anonyme Meldestelle, da schwächere Marktteilnehmer häufig Angst vor Repressalien hätten, wenn sie Missstände gegenüber ihren Abnehmern anprangern. Dringend erforderlich sei außerdem ein Verbot, Waren unterhalb ihrer Herstellungskosten einzukaufen.
AgE