Lehrkräfte lernen Landwirtschaft

Foto: Sabine Aldenhoff

Wie Tierhaltung und Naturschutz Hand in Hand funktionieren, erfuhren am Donnerstag vergangener Woche gut ein Dutzend Lehrkräfte beim Besuch in Xanten-Vynen. Der Verein Stadt und Land in NRW hatte gemeinsam mit dem Rheinischen Landwirtschafts-Verband zu der Lehrerfortbildung auf den Mutterkuhbetrieb der Familie Fell eingeladen.

Hubert Koll vom Verein Stadt und Land freute sich über das Interesse und betonte, dass der Verein bereits seit 64 Jahren im Auftrag des Ministeriums für Landwirtschaft und Verbraucherschutz NRW als Bindeglied zwischen Schulen und Landwirtschaft, Erzeugern und Verbrauchern fungiere: „Wir zeigen, wie Landwirtschaft funktioniert.“ Für die bevorstehende Begegnung der Bildungsgäste mit den Tieren des Hofes hatte er einen eingängigen Tipp: „Bei uns gilt nicht die 3G-Regel, sondern die 3L-Regel: leise, langsam, lieb.“

Die Lehrerinnen und Lehrer von Grund- und Förderschulen sowie Gymnasien kamen sowohl aus der unmittelbaren Nähe, nämlich aus Marienbaum, wie auch aus Alpen und Wesel sowie von weiter her, aus Oberhausen und Düsseldorf. Sie staunten nicht schlecht, als sie von Franz-Josef Fell und seinen Töchtern Sabrina und Lena auf eine Planwagentour eingeladen wurden. Was nach feucht-fröhlichem Ausflug klingt, diente dazu, mit der Gruppe die einige Kilometer vom Bruckmannshof entfernt liegenden Weideflächen der Rinder zu erreichen. Während der Fahrt informierten Landwirt Franz-Josef Fell und seine Tochter Sabrina, studierte Agrarwirtin, über ihren Betrieb und Landwirt Jens Buchmann aus Hamminkeln-Brünen, selbst Milchviehhalter, unterstützte bei weiteren Fragen.

Familie Fell hält rund 150 Mutterkühe, die im FFH Naturschutzgebiet Reeser Schanz im Überschwemmungsbereich des Rheins dafür sorgen, dass die Flächen nicht verbuschen. Dafür arbeiten die Landwirte eng mit dem Naturschutz zusammen. Außerdem betreiben sie auf rund 100 ha Ackerbau, neben Zuckerrüben und Kartoffeln wird auch das Futter für die eigenen Tiere produziert. Das Fleisch der Eigenzüchtung aus Charolais gekreuzt mit Rotangus wird seit zwei Jahren unter der Marke „Xantener Weiderind“ auch erfolgreich direkt vermarktet.

„Wir haben uns gefreut über die Anfrage von Stadt und Land, die Lehrerfortbildung bei uns durchzuführen“, betonte Sabrina Fell. „Wir finden, wir haben den schönsten Beruf der Welt und zeigen das gerne.“ Die Lehrkräfte hörten den Ausführungen der Landwirtsfamilie aufmerksam zu. Fragen zum Arbeitsalltag und zu Herausforderungen der Landwirtschaft wurden eher zaghaft gestellt. Vielleicht war das ein Zeichen, dass die Fells einfach schon alles gesagt hatten. Die Familie hat schon viele Jahre Erfahrung mit der Öffentlichkeitsarbeit und empfängt gerne Kindergruppen.

Im Anschluss an die Planwagentour hatte Ulrike Fell, die Mutter der Familie, zu Kuchen und Verkostung von kaltem Rinderbraten auf die Terrasse des Bauernhauses eingeladen. Hier wurde das Erlebte rege diskutiert und es gab Gelegenheit, weitere Fragen zu stellen. Hubert Koll ermunterte die Lehrkräfte, sich mit allen Fragen und Anregungen zum Thema Landwirtschaft an ihn zu wenden und mit ihren Klassen Landwirte in ihrer Region zu besuchen. Zum Abschluss gab es für jede Lehrkraft eine Tüte voller Unterrichtsmaterialien und Info-Adressen rund um das Thema Landwirtschaft.

as