Milchbranche zwischen Rohstoffproblemen und hohen Kosten

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Die deutsche Milchwirtschaft steckt in einer Rohstoff- und Kostenklemme. Wie der Vorsitzende des Milchindustrie-Verbandes (MIV), Peter Stahl, am Freitag vergangener Woche am Rande des 12. Berliner Milchforums feststellte, konnten sich viele Branchenakteure noch vor wenigen Monaten nicht vorstellen, dass der Rohstoffwert der Milch die Marke von 60 Cent/kg überschreiten würde. Stahl zufolge hat dies nicht allein mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine zu tun. Schon davor seien die Milchanlieferungen in erzeugerstarken Regionen zurückgegangen, was auch mit den drastisch gestiegenen Inputkosten zu tun habe. Hinzu kämen unterbrochene oder gestörte Lieferketten sowie eine starke Bevorratung industrieller Kunden. Im Ergebnis steige die Milch deutlich im Wert, so der Verbandsvorsitzende.

Er wies darauf hin, dass Molkereien mit „Bulkware“, also mit geringem Verarbeitungsgrad, ihre Milchanlieferungspreise vergleichsweise zügig hätten anheben können. Anders sehe es bei den Verarbeitern mit „LEH-Ware“ aus, die wegen längerfristiger Verträge mit dem Handel steigende Kosten nicht so schnell weitergeben könnten. Diese stünden nun finanziell unter starkem Druck, konstatierte Stahl, der sich angesichts der sprunghaft steigenden Kosten für kürzere Lieferverträge in Richtung Lebensmitteleinzelhandel aussprach. Kürzere Abschlüsse sind nach seiner Darstellung auch notwendig, um über höhere Erzeugerpreise die kräftig anziehenden Kosten der Bauern für Energie, Dünger und Treibstoff auszugleichen.

Laut dem Vizepräsidenten des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Karsten Schmal, liegen die Vollkosten der Rohmilcherzeugung selbst in großen Milchviehbetrieben aktuell bei mehr als 55 Cent/kg, während der Auszahlungspreis im bundesweiten Schnitt erst rund 45 Cent/kg erreicht habe.