Mit 30 € bei der Stange bleiben

Foto: Detlef Steinert

Er hätte Schlimmeres erwartet, sagte Bernhard Conzen, Vorsitzender des Rheinischen Rübenbauer-Verbandes (RRV), zur Eröffnung der Mitgliederversammlung am Montag in Bergheim. Nach zwei schlechten Jahren mit Trockenheit, niedrigen Erträgen und Preisen sieht er einen kleinen Lichtblick bei den Rübenpreisen. Am Wetter könne man nichts ändern, aber in der Politik, am Markt und im gesamtgesellschaftlichen Diskurs über die Landwirtschaft sieht Conzen Möglichkeiten. Auch wenn sie das letzte Quäntchen Skepsis, was die Lage der Rübe angeht, nicht völlig ausräumen konnten, vermittelten die beiden Hauptredner, die Politik und Markt repräsentierten, anschließend vor allem Zuversicht.

Mit der „Zukunft des Ackerbaus in Nordrhein-Westfalen“ befasste sich NRW-  Agrarministerin Ursula Heinen Esser. Die sei, so die Politikerin gleich zu Beginn, „absolut vielversprechend“. Allerdings stünden auch viele Herausforderungen an, so etwa die Gemeinsame Agrarpolitik der EU (GAP) nach 2020. Dabei verwies sie da­rauf, dass deren Details noch nicht ausverhandelt seien, der Finanzrahmen noch nicht abgesteckt sei und der Agrarbereich mit anderen Themen um Finanzmittel konkurrieren müsse. Die Ackerbaustrategie des Bundes begrüßte Heinen-Esser. Die Landwirtschaft müsse sich anpassen. Das brauche aber Zeit. Deshalb sei es richtig, dass der Bund seine Strategie auf einen Zeitraum bis 2035 angesetzt habe und versuche, Zielkonflikte aufzugreifen, die sich durch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln oder Düngemitteln ergeben. Mit Blick auf den Insektenschutz unterstrich die Ministerin erneut, dass sie sich gegen Ordnungsrecht aussprechen würde und die Möglichkeit erhalten bleiben sollte, den Vertragsnaturschutz zu unterstützen. Keine Hoffnungen auf Zugeständnisse machte sie dagegen bei der Düngeverordnung. Hier stünde die Verabschiedung im Bundesrat schon für Anfang  April auf der Tagesordnung. Sie glaube aber, dass die Verordnung dann „erst im nächsten Jahr in Kraft tritt“.

Wenn nicht hier, wo dann?

Optimistischer gab sie sich bei der von NRW favorisierten Binnendifferenzierung. Hier habe Bundesministerin Julia Klöckner bestätigt, dass man durchziehen könne, was das Land vorhabe – und das ist eine Verringerung der roten Gebiete durch eine differenzierte Betrachtung der Belastungssituation. Hoffnungen setzt die Politikerin auch auf Impulse, die sich aus Projekten zur Weiterentwicklung des Rheinischen Reviers ergeben könnten. Hier wünscht sie sich eine entscheidende Rolle für die Landwirtschaft. An die Zuversicht knüpfte sie ihren Schlussappell an die Landwirte: „Bleiben Sie bei der Stange. Bleiben Sie beim Rübenanbau!“ Wenn der nicht im Rheinland gehalten werden könne, wo die Böden besonders gut seien, „wo dann sonst?“, fragte sie und warnte, dass es schwer zu verkraften sei, wenn sich die Zuckerproduktion hier nicht mehr rentieren würde.

„Partner auf Augenhöhe“

Im historischen Teil seines Referates mit dem Titel „150 Jahre Pfeifer & Langen mit Blick nach vorn“ machte Uwe Schöneberg, Geschäftsführer von Pfeifer & Langen, deutlich, dass es auch früher schwierige Phasen gegeben habe. In der Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er -Jahre brach die verarbeitete Rübenmenge im Unternehmen von 750 000 t auf 250 000 t ein. Heute verzeichnet es in der Zuckersparte einen Verlust in zweistelliger Millionenhöhe. Trotzdem setze es auf die heimische Rübe und man sehe die heimischen Anbauer als Partner auf Augenhöhe. Daher sei man bei den jüngsten Preisverhandlungen auch „an die Grenze gegangen, was wir vertreten können“. Seine Überzeugung, dass es mit den Preisen wieder aufwärts gehe, untermauerte Schöneberg mit einem Blick auf die Zuckervorräte in Europa. Gerade 7,9 % des Verbrauchs lägen derzeit in den Lägern. Auch für 2012 rechnet er nicht damit, dass sich an der knappen Versorgung viel ändert. Die Knappheit und spezifische Kundenwünsche sind laut Schöneberg auch Gründe dafür, warum das Unternehmen gerade Rohrohrzucker verarbeitet. Das betreffe aber weniger  als 2 % der gesamten Verarbeitungsmenge. Was das Zutrauen in  die rheinische Rübe auch unterstreichen soll, sind Netto-Investitionen in die Werke in dreistelliger Millionenhöhe im Rahmen der Strategie 2020.

Gleichwohl: Am Ende ist das Entscheidende für die Rübenanbauer der Preis. Hier stellte Schöneberg mehrfach he­raus, dass er einen Aufwärtstrend sieht. „Der Anstieg muss kommen. Deswegen geben wir für die nächste Kampagne auch den Garantiepreis“, so der Geschäftsführer. Der liegt zwar noch nicht da, wo ihn die meisten Anbauer gerne sehen würden. Aber Pfeifer & Langen scheint eine Erhöhung schon im Blickfeld zu haben. Schöneberg wörtlich: „Wir peilen die 30 € an.“ ds