Mit viel Anstrengung nebenberuflich zum Landwirt

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Noch mal die Schulbank drücken? Diese Frage schwirrte den 26 Männern und einer Frau zwischen 25 und 45 Jahren sicherlich durch den Kopf, als sie im September 2020 im gut gefüllten Klassenzimmer in Köln-Auweiler zusammenkamen. Aber die meisten sind doch auch nach der ersten Infoveranstaltung wiedergekommen und so traf sich die bunt gemischte Gruppe einmal in der Woche nach Feierabend in ihrem eigentlichen Job zum Kurs für Nebenerwerbslandwirte.

Die Beweggründe, noch mal eine Ausbildung neben Beruf und Familie zu machen, waren so unterschiedlich wie die neuen Schüler und Schülerinnen selbst. Während der eine bereits auf dem Milchviehbetrieb der Eltern voll eingestiegen ist, aber ursprünglich eine Ausbildung zum Landmaschinenmechaniker gemacht hatte, möchten die anderen – hauptberuflich im Qualitätsmanagement tätig – den elterlichen Hof später mal im Nebenerwerb weiterführen. Vom Banker oder Angestellten im öffentlichen Dienst über einen Physiotherapeuten und Techniker kam ein buntes Potpourri von Berufen und Menschen zusammen. Eine Sache einte aber alle: Sie hatten Erfahrung im landwirtschaftlichen Bereich. Dies ist die Grundvoraussetzung, um die Ausbildung zum Landwirt beziehungsweise zur Landwirtin nebenberuflich machen zu dürfen. Ein absolutes Privileg und nahezu einmalig in der Ausbildungslandschaft.

Unterrichtet wurden die gleichen Lern-inhalte wie bei den „normalen Azubis“ – Pflanzenbau und Tierproduktion sowie Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Der Lerninhalt war groß, sodass es meist einer Nacharbeit zu Hause bedurfte. Zusätzlich wurden zwei überbetriebliche Ausbildungen in Haus Düsse und bei der DEULA in Kempen angeboten. Dafür nahmen die Teilnehmenden entweder Bildungsurlaub oder der Jahresurlaub wurde geopfert. Im vergangenen Frühjahr fand die Zwischenprüfung und im Sommer 2022 dann die Abschlussprüfung statt, auf die alle angehenden Landwirte hingefiebert hatten. Dafür wurden Lerngruppen gebildet, Betriebsbesichtigungen unternommen, das Klauenschneiden und Kuhbewerten noch mal vertieft. Fast alle Prüflinge hatten damals ihre Abschlussprüfung bestanden, einige wenige mussten noch mal in der Nachprüfung Anfang 2023 antreten.

Es war für alle eine tolle Erfahrung und etwas ganz Besonderes. Die Urkunde zur abgeschlossenen Ausbildung hat sicherlich bei vielen einen Ehrenplatz erhalten.

Dennis Schiffer