„Proteste, Politik und wie weiter?“ – unter diesem Motto stand am Montag vergangener Woche eine Online-Konferenz, zu der der Rheinische LandFrauenverband (RhLV) im Rahmen des Frauen Agrar Netzwerks, kurz FAN, eingeladen hatte. Und es war ein Thema, das ankam. Rund 40 Landfrauen, jung und alt, aus den verschiedensten Kreisen, Bäuerinnen und auch Nichtbäuerinnen hatten sich zugeschaltet. Sie alle wollten erfahren, wie vonseiten des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes (RLV) die Bauernproteste gestaltet wurden, was sie gebracht haben und wie es weitergeht. Rede und Antwort dazu stand Dr. Bernd Lüttgens, der neue RLV-Hauptgeschäftsführer.
„Die Aktionskampagne war nicht wild, denn wildes Demonstrieren führt meist nicht zum Erfolg“, stellte Lüttgens gleich zu Beginn fest. Die Einzelaktionen seien am politischen Fahrplan angelehnt gewesen und damit entlang der Zeitschiene wichtiger anstehender Entscheidungen im Bundestag. Dies machte er unter anderem am Beispiel des politischen Fahrplans für das Haushaltsgesetz 2024 deutlich, aber auch an dem Beispiel für die SUR-Pflanzenschutzverordnung.
Aus den Demonstrationen seien zahlreiche Vorschläge hervorgegangen. „Unsere Herausforderung ist jetzt, einen Grundkonsens mit der Politik zu finden, mit der auch die Landwirtschaft leben kann“, erläuterte Lüttgens. Verärgert zeigte er sich darüber, dass derzeit insbesondere von mancher Zeitung behauptet würde, die Bauernproteste hätten nichts gebracht. „Im Gegenteil: Wir haben viele Anfragen zu vielen Einzelthemen und zu Überlegungen, wie man welche Gesetze ändern kann“, so der Agraringenieur. Aber das gehe nicht von heute auf morgen, sondern Gesetze müssten ein parlamentarisch geordnetes Verfahren durchlaufen.
Und was haben die Proteste seiner Meinung nach gebracht? „Wir haben es geschafft, dass Landwirtschaft wieder in den Mittelpunkt der Diskussion gestellt wird“, stellte hierzu Lüttgens fest. Speziell im Rheinland sei es gelungen, gemeinsam mit anderen Organisationen, wie unter anderem den Landfrauen, eine gemeinsame Resolution unter dem Motto „5 vor 12! – Bundesregierung stellt die heimische Land- und Forstwirtschaft sowie den Gartenbau ins Abseits!“ zu verfassen und an wichtige Politiker zu überreichen. „Dabei haben wir mit einer Stimme gesprochen“, betonte Lüttgens. Außerdem hätten die Proteste Jung und Alt verbunden, gemeinsam habe man für die Anliegen der Landwirtschaft gekämpft. Die Bauernproteste hätten aber auch noch mehr bewirkt. Die Landwirtschaftsverbände und ihre Arbeit würden inzwischen anders wahrgenommen und die Verbände seien derzeit gefragt als Arbeitgeber. „Vor allem bei den jungen Leuten“, freut sich der 51-Jährige.
Der RLV-Hauptgeschäftsführer und die RhLV-Präsidentin bedankten sich bei den Landfrauen für ihr Engagement im Rahmen der Bauernproteste. „Ein dickes Lob an die vielen Landfrauengruppen, die mitgemacht haben und in die Diskussion gegangen sind mit Verbrauchern und Medien“, sagte Kuhles. Lüttgens forderte die Landfrauen auf, sich zu engagieren und mitzumachen in den zahlreichen Fachausschüssen des RLV. „Vor allen Dingen junge Frauen und Männer sind hier gefragt“, betonte der Hauptgeschäftsführer. Einig waren sich Lüttgens und Kuhles dabei auch in Einem: Alle, unter anderem die Landfrauen, müssen in der Politik mehr mitreden – sei es als sachkundige Bürger oder in den Parteien und damit in den Parlamenten. Lüttgens führte hierzu ein Beispiel an: Im Deutschen Bundestag gebe es insgesamt 735 Abgeordnete, davon seien 19 Agrarwissenschaftler und nur neun Landwirte. „Die Landwirtschaft muss sich zukünftig mehr einbringen, um ihre Interessen in der Politik auch nach vorne zu bringen“, zeigte sich Lüttgens überzeugt.
Die Landfrauen warteten aber auch mit Wünschen an den RLV auf. Ihrer Meinung nach muss der Verband transparenter werden, sprich mehr und schneller über seine Arbeit und geplante Aktionen informieren. Außerdem müsse der Auftritt des RLV moderner werden und dazu gehöre vor allem, aktiv zu sein in den sozialen Medien.
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