In Brandenburg gibt es den deutschlandweit ersten Ausbruch seit 1988
Die Maul- und Klauenseuche (MKS) ist zurück in Deutschland. Wie das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) am Freitag vergangener Woche mitteilte, hat es die Tierseuche bei Wasserbüffeln im brandenburgischen Landkreis Märkisch-Oderland nachgewiesen. Die Proben von allen für die Krankheit empfänglichen Tiere im Radius von 1 km um den Ausbruchsbetrieb wurden vom brandenburgischen Landeslabor negativ befundet. Das teilte das Potsdamer Landwirtschaftsministerium am Dienstag mit.
Noch steht auch nicht fest, wie die betroffenen Wasserbüffel, die scheinbar schon länger erkrankt waren, infiziert wurden. Zuvor war die Seuche zuletzt 1988 in Deutschland aufgetreten. 2001 gab es einen verheerenden Seuchenzug in Großbritannien, in dessen Folge es zu anderen Ausbrüchen in der EU kam. Die Seuche ist ein Grund, warum die Speiseresteverfütterung in der EU bereits seit Langem verboten ist. Endemische Vorkommen der MKS gibt es in Teilen der Türkei, im Nahen Osten sowie in Afrika und Asien.
Drei Wasserbüffel betroffen
Nach Angaben des brandenburgischen Landwirtschaftsministeriums ist im aktuellen Fall eine Herde mit insgesamt 14 Wasserbüffeln betroffen. Drei von diesen seien zum Zeitpunkt des MKS-Nachweises verendet gewesen, bei ihnen sei die MKS nachgewiesen worden, die übrigen würden gekeult. Außerdem wurden den Ressortangaben zufolge um den Infektionsherd eine Schutzzone und eine Überwachungszone eingerichtet, die von der EU-Kommission mittlerweile bestätigt wurden. Das Verbringen von empfänglichen Tieren, ihren Körpern und Körperteilen sowie ihrer Gülle wurde per Eilverordnung ab Samstag für insgesamt 72 Stunden in ganz Brandenburg untersagt. Schlachtbetriebe und der Einzelhandel sind davon nicht betroffen.
Das Bundeslandwirtschaftsministerium kündigte ebenfalls am Freitag an, kurzfristig den Zentralen Krisenstab Tierseuchen einzuberufen. „Unser gemeinsames Ziel muss es sein, das Virus schnell zurückzudrängen, um die Schäden für unsere Land- und Lebensmittelwirtschaft zu minimieren“, betonte Ressortchef Cem Özdemir. Daneben wies Özdemir darauf hin, dass Deutschland mit der Bestätigung des aktuellen Falls die Anerkennung als „frei von Maul- und Klauenseuche ohne Impfung“ bei der Weltorganisation für Tiergesundheit (WOAH) verloren hat. Im Bundestag wurde eine Sondersitzung des Ernährungsausschusses beantragt.
Landwirtschaftsminister mehrerer Bundesländer riefen die Halter gefährdeter Tierarten dazu auf, ihre Biosicherheitsmaßnahmen zu überprüfen und konsequent einzuhalten sowie virustypische Krankheitssymptome durch einen Tierarzt abklären zu lassen. Mecklenburg-Vorpommerns Agrarminister Dr. Till Backhaus warnte vor einer Ausbreitung der MKS. Ein „Flächenbrand“ wäre „eine Katastrophe“, so Backhaus.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) gab unterdessen zumindest für die menschliche Gesundheit Entwarnung. Menschen hätten sich in der Vergangenheit nur in Einzelfällen und nur bei direktem Kontakt zu erkrankten Tieren infiziert. Und die Krankheitssymptome seien mild gewesen.
Nach Bestätigung des MKS-Ausbruchs bei den Wasserbüffeln an der Grenze von Berlin durch das FLI haben erwartungsgemäß wichtige Abnehmerländer eine Sperre gegen Deutschlands Exporte von empfänglichen Tieren ausgesprochen – die Niederlande für Kälber und Südkorea für Schweinefleisch.
Keine Rinder auf der Grünen Woche
Der MKS-Ausbruch hat auch Auswirkungen auf die Grüne Woche in Berlin. Auf der weltgrößten Verbraucherschau für Landwirtschaft, Ernährung und Gartenbau werden in diesem Jahr keine Rinder zu sehen sein. Auch die geplante Präsentation von Schafen und Ziegen sowie Alpakas fällt aus. AgE/el