Als Milchviehhalter Ludger Bissels aus Sevelen in der Zeitung las, dass zwei Kinder vor Ort Müll von den Wiesen und Wegrändern aufsammeln, aber auf ihrem Müllberg sitzen bleiben, schüttelte er den Kopf. Das kann nicht sein, die Gemeinde half nicht. Da schaute er seine Frau Ursula-Maria an und für beide war klar: Wir müssen selbst etwas tun! „In der Zeitung war auch ein Foto von den Kindern in der Nähe unserer Weide abgebildet. Da hat es bei uns gezündet! Wir finden es ganz toll, dass sie ehrenamtlich den Müll aufsammeln. Ohne es zu wissen, haben sie damit Kuh-Leben gerettet“, betont der Halter von 150 Milchkühen gegenüber der LZ Rheinland.
Kurzerhand rief er die Mutter Jutta Immler der Kinder Jette Seifried und Luis an und bot an, den gesammelten Müll abzuholen. „Als Dankeschön fürs Müllaufsammeln schenkte ich den beiden Kids noch eine Treckerfahrt: Jeder durfte einmal mit mir zum Hof fahren und den Müll abladen. Das fanden sie klasse!“, freut sich der 47-Jährige. Begeistert waren die beiden Achtjährigen aber auch von einem anderen Geschenk: eine Greifzange. So können sie unappetitlichen Müll problemlos aufheben.
Über die Aktion berichtete auch die Tageszeitung vor Ort, die „Rheinische Post“. „Ich hatte zuerst Sorge, ob die Verbraucher, vor allem die Hundehalter, sich angegriffen fühlen, da ich auch auf Verunreinigungen im Kuhfutter durch Hundekot hingewiesen habe. Aber der Artikel war sehr gut geschrieben, sodass er positiv ankam und für Verständnis hier in der Gemeinde gesorgt hat“, berichtet er. Viele Verbraucher wüssten gar nicht, was sie anrichten, wenn sie ihren Unrat in die Landschaft werfen. „Keiner macht sich Gedanken, dass es im Kuh-Futter landet“, gibt er zu Bedenken. Dabei könne Plastik den Darm verstopfen und scharfes Metall bekanntlich zum Tod der Tiere führen. „Es ist schwer zu schätzen, wie viele Kühe tatsächlich am Verzehr von Müll sterben. Alle zwei Jahre ist es sicher eine Kuh. Unsere Weiden liegen nah an der Bebauung“, sagt er.
In dem Gespräch mit der Journalistin und den Kindern konnte er erklären, dass es einen Unterschied bedeutet, ob man Gülle im Rahmen der Kreislaufwirtschaft mit Schlitztechnik in die Erde zum Wachstum der Pflanzen ausbringt oder ob Hundekot einen Tag vor der Grasernte auf dem Feld landet. „Das will keiner in seinem Essen haben. Da waren sich alle einig“, meint Bissels.
In seiner Whats-App-Gruppe, durch die er mit den Seveler Landwirten in Kontakt steht, bekam er übrigens von seinen Berufskollegen viel Lob für die Hilfsbereitschaft.
Auch in Zukunft will der Sevelener Landwirt einspringen, wenn die Gemeinde den Müll nicht abholen will. „Das ist für mich eine Selbstverständlichkeit und es hilft uns allen“, sagt er. „Wir Landwirte müssen mehr Öffentlichkeitsarbeit für das Thema ‚Müll auf den Feldern‘ machen! Wenn man es den Leuten einmal erklärt, erntet man Verständnis. Sie müssen es nur erst einmal wissen“, sagt Ludger Bissels abschließend. ah