Ein Artikel in der „Rheinischen Post“ sorgte Anfang April bei vielen Landwirten in Wesel für Unmut. Einer ihrer Berufskollegen wurde darin beschuldigt, zu viel Gülle ausgebracht zu haben, und das auch noch „unmittelbar am Naturschutzgebiet Lippealtarm“, hieß es. Peter Malzbender, Kreisvorsitzender des Naturschutzbundes (NABU) habe sich laut RP selber ein Bild davon gemacht: „Ich war vor Ort und es ist selbst nach Tagen immer noch die Güllesuppe zu sehen. Unser Trinkwasser wird vornehmlich dadurch belastet.“ Des Weiteren werden von ihm in dem Artikel „Massentierhaltung“ und „Pestizidausbringung“ kritisiert.
Alles in Ordnung
Da war Malzbender jedoch ein wenig zu voreilig, denn die Kreisbauernschaft und der betroffene Landwirt reagierten sofort und wehrten sich öffentlich gegen die Vorwürfe. „Wir waren schon ziemlich überrascht, als wir morgens die Zeitung aufgeschlagen und diesen Artikel über unsere Fläche gesehen haben“, erinnert sich Landwirt Marc Schulte-Bunert. Eine Gegendarstellung wird in der „Rheinischen Post“ abgedruckt, die Gülleausbringung war vorschriftsmäßig und keinesfalls illegal. Die Landwirte Jens Buchmann, Rüdiger Neuenhoff und Schulte-Bunert selbst laden die Redakteure von NRZ und RP hierzu auf die Fläche vor Ort ein. In der vergangenen Woche folgte schließlich auch eine offizielle Entschuldigung von Malzbender. Es sei ein Fehler gewesen, sich auf die Aussagen anderer zu verlassen, sagte der NABU-Kreisvorsitzende gegenüber der „Rheinischen Post“. Es sei zu einem guten Gespräch zwischen Landwirt und Naturschützer gekommen, zu seiner generellen Kritik an moderner Landwirtschaft stehe er aber nach wie vor.
Was lernt man daraus?
Landwirt Marc Schulte-Bunert ist froh, dass er den Sachverhalt richtigstellen konnte. Enttäuschend sei für ihn, dass es überhaupt dazu kam und nicht zunächst jemand bei ihm nachgefragt hat. „Hier würde ich mir wünschen, dass die Medien erst mal recherchieren und nicht einfach nur abdrucken. Dann hätte man die Sache direkt klären können.“ Das Gespräch mit Malzbender empfand Schulte-Bunert als positiv. „Mein Ziel war es, aus dem Drama noch etwas Gutes zu machen. In einigen Dingen haben wir ja auch ähnliche Ansichten, zum Beispiel bei der Preisgestaltung im Discounter.“ Wenn die Corona-Krise es wieder zulasse, werde man das Gespräch auf jeden Fall fortsetzen.
„Ich bin erst mal froh, dass wir das Ganze offiziell aufklären konnten“, so Schulte-Bunert. Ein Fallbeispiel, das zeigt: Vorurteile können zu vorschnellen Vorwürfen werden, doch Landwirt Schulte-Bunert hat sich davon nicht provozieren lassen und ruhig und souverän auf die Anschuldigung reagiert. So kann aus einer ärgerlichen Geschichte vielleicht sogar noch etwas Gutes entstehen. mk