29,7 % der Bürger aus dem Kreis Kleve würden sich für den Reichswald als Standort des zweiten Nationalsparks in NRW entscheiden. Weitere 45,4 % der Bürger aus demselben Kreis finden, dass jeder mögliche Standort in dem Bundesland in Ordnung sei. In ganz NRW haben der Hürtgenwald mit 9,5 % und der Rothaarkamm mit 9,4 % die meiste Zustimmung bekommen, der Reichswald bekam mit 4,4 % geringere Zustimmung. Das geht aus Zahlen hervor, die der Naturschutzbund NRW (NABU) in der vergangenen Woche auf einer Pressekonferenz vorgestellt hat. Grundlage ist eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey vom Dezember vergangenen Jahres. Unter den Auswahlmöglichkeiten befand sich neben dem Arnsberger Wald, dem Rothaarkamm und weiteren Gebieten der Klever Reichswald. An der Online-Umfrage nahmen rund 3 000 Bürgerinnen und Bürger aus NRW teil. Der NABU weist darauf hin, dass die Zustimmung für den Nationalpark durch eben diese Stimmen verstärkt werde.
Die CDU-Fraktion im Kreistag von Kleve hat sich einstimmig gegen die Entwicklung des Reichswaldes zu einem Nationalpark ausgesprochen, wie sie in einer Pressemitteilung bekanntgegeben hat. Darin betont die CDU, dass diese Entscheidung nach ausführlichen Diskussionen und Gesprächen mit verschiedenen Gruppen getroffen wurde. Spezifische Argumente für die Ablehnung des Nationalparkgedankens wurden jedoch nicht genannt. Die Fraktion habe sich umfassend mit allen relevanten Aspekten des Themas befasst und zahlreiche Gespräche mit Ratsfraktionen der betroffenen Kommunen sowie verschiedenen Interessengruppen geführt. Die CDU hat im Kreistag keine eigene Mehrheit und die Entscheidung der Listenverbindung von SPD, Grünen, FDP und Wählergemeinschaft steht noch aus. Michael Seegers, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Kleve, befürchtet, dass im Anschluss an die Eröffnung eines Nationalparks weitere Gebiete rund um den Reichswald als Pufferzonen vereinnahmt werden. Von diesen Zonen wären dann 200 landwirtschaftliche Haupterwerbsbetriebe mit ihren Nutzflächen betroffen. „Die Wasserwerke in Goch und Kleve haben aufgrund der hochqualitativen Produktion von Trinkwasser im Reichswald ebenfalls abgelehnt“, so Seegers. Würde der Reichswald aufgrund der Ernennung zum Nationalpark sich selbst überlassen werden, steige die Stickstoffbelastung im Wasser und die bisherige Qualität könne nicht mehr gewährleistet werden. Seegers spricht sich daher weiterhin gegen den Nationalpark im Reichswald aus.
sj