Naturschutzverbände werben für Nationalparke

Foto: NABU

Außerdem fordern sie Fairness beim Bürgerentscheid zum Nationalpark Egge

 

In Nordrhein-Westfalen wird weiter um die Ausweisung eines zweiten Nationalparks gerungen. Als Kandidaten werden der Reichswald in Kleve und Staatswald Egge in Ostwestfalen-Lippe gehandelt. Die Bürger in den Kreisen Höxter und Paderborn können ihre Meinung zum Nationalpark Egge nun bis zum 12. Juni per Bürgerentscheid kundtun. In diesem Zusammenhang kritisieren die nordrhein-westfälischen Naturschutzverbände BUND, LNU und NABU die CDU in Ostwestfalen heftig, da diese eine Anti-Nationalparkkampagne betreibe. Anlässlich der bevorstehenden Versendung von Wahlunterlagen für die Bürgerentscheide forderten sie die Christdemokraten auf, die Verbreitung von Falschnachrichten einzustellen und eine sachliche und faire Bürgerbeteiligung zu gewährleisten.

 

Aus fachlicher Sicht des Naturschutzes werde der Staatswald in der Egge als geeignet bewertet, allerdings könne der Bürgerentscheid nicht fair und auf Grundlage von Fakten ablaufen, so die Befürchtung der NRW-Naturschutzverbände. Holger Sticht, Landesvorsitzender des BUND, sagte dazu: „Von den die Regierung tragenden Parteien erwarten wir, dass sie diesen Bürgerentscheid durch gut aufbereitete sachliche Informationen unterstützen. Leider geschieht in den Kreisen aber das Gegenteil: Mit Plakaten, auf Veranstaltungen, in den sozialen Medien und Briefen an ihre Mitglieder verbreitet die CDU vielfach widerlegte Falschmeldungen. Da wird wider besseres Wissen behauptet, Landwirten drohten Einschränkungen und Enteignungen. Tausende Arbeitsplätze seien in Gefahr, Wanderwege würden gesperrt, ein Betreten großer Teile der Egge werde verboten und Steuergelder würden nicht sinnvoll eingesetzt.“

 

Mit einer weiteren Aktion forderte der NABU am Mittwoch vergangener Woche von der Landesregierung ein entschlossenes Handeln für einen zweiten Nationalpark in NRW. Daher übergaben Vertreter der Naturschutzorganisation im Düsseldorfer Landtag 45 300 online und landesweit gesammelte Unterschriften symbolisch an die Landesregierung. Diese Unterschriften unterstreichen laut NABU das öffentliche Interesse und die Unterstützung der Bürger für die Einrichtung eines zweiten Nationalparks in NRW.

 

„Wir fordern, dass die Landesregierung ihre Zusagen aus dem Koalitionsvertrag und damit die Einrichtung des zweiten Nationalparks umsetzt. Die potenziellen, landeseigenen Flächen sind dafür vorhanden“, erklärt Dr. Heide Naderer, Landesvorsitzende des NABU. Ein wichtiger Schritt zur Erreichung der Biodiversitätsziele sei die Ausweisung der Gebiete Reichswald und Egge als Nationalparke. Diese würden zusammen etwa 14 640 ha umfassen, wovon rund 11 000 ha als Kernzone der Wildnis dienen könnten. Dies entspräche 0,32 % der Landesfläche Nordrhein-Westfalens. In Kombination mit der bestehenden Kern- und Entwicklungszone des Nationalparks Eifel würde Nordrhein-Westfalen damit den Bundesdurchschnitt von 0,6 % der Landesfläche an Wildnisgebieten erreichen.                kj