Die Europäische Union und Indien wollen die Verhandlungen über ein Handelsabkommen bis Ende des Jahres abschließen. Dies erklärten EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und der indische Premierminister Narendra Modi anlässlich einer Stippvisite von der Leyens in Neu-Delhi. „Die EU ist bereits heute Indiens größter Handelspartner“, betonte sie bei einem gemeinsamen Statement. Angesichts der geopolitischen Lage sei es notwendig, diese Partnerschaft entschlossen zu vertiefen. Neben einer engeren Zusammenarbeit in Bereichen wie Rüstung und künstliche Intelligenz stehen für die EU-Kommission vor allem Wirtschafts- und Investitionsfragen im Fokus. Aus der Kommissionsdelegation verlautete, dass auch die Landwirtschaft Teil des geplanten Abkommens sein solle.
Der verstärkte Druck der Brüsseler Behörde, das seit 2007 mit Unterbrechungen verhandelte Abkommen abzuschließen, dürfte auch mit dem sich abzeichnenden Handelskonflikt mit den USA zusammenhängen. Bereits mit dem Mercosur-Abkommen hatte von der Leyen demonstriert, dass die Erschließung neuer Märkte für die auf den Welthandel angewiesene EU-Wirtschaft in Brüssel hohe Priorität genießt.
Zwar weist die EU gegenüber Indien aktuell noch ein Handelsdefizit bei Agrargütern auf. Der riesige Markt mit seinen rund 1,4 Mrd. Menschen bietet allerdings enormes Potenzial für europäische Exporteure von Agrarprodukten und Lebensmitteln. Während einer Indienreise des noch geschäftsführend amtierenden Wirtschaftsministers Robert Habeck im vergangenen Herbst hatte der Grünen-Politiker angeregt, den Agrarsektor zunächst aus dem Abkommen auszuklammern – offenbar in der Hoffnung, dass dadurch eine schnellere Einigung erzielt werden könnte.