Die Vorschläge der EU-Kommission, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln über eine neue Verordnung bis 2030 zu halbieren und den Einsatz in „sensiblen Gebieten“ komplett zu untersagen, stoßen bei den allermeisten Landwirtschaftsministern in der Gemeinschaft auf scharfen Gegenwind. Dies wurde beim gestrigen EU-Agrarrat in Brüssel deutlich. Hier hatte Polen die EU-Behörde aufgefordert, eine erneute Folgenabschätzung über die Auswirkungen auf die Ernährungssicherheit – auch im Lichte des Kriegs in der Ukraine – vorzulegen. Die Warschauer Delegation forderte, den Gesetzgebungsprozess auszusetzen, und zwar so lange, bis auf der Grundlage verbesserter Daten Klarheit über die Auswirkungen herrsche. Die überwiegende Mehrheit der Agrarminister teilte die polnischen Forderungen. Lediglich Deutschland, Dänemark und die Niederlande sicherten Brüssel ihre grundsätzliche Unterstützung bei der Weiterführung des Gesetzgebungsprozesses zu. Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir begrüßte die verbindlichen Reduktionsziele. Verbesserungsbedarf sieht der Grünen-Politiker allerdings bei den Gebietseinschränkungen; hier bedürfe es weiterer Klarstellungen. Zudem forderte der Berliner Ressortchef weitere Konkretisierungen zu der Frage, inwieweit die Landwirte Unterstützung für mögliche Produktionseinschränkungen erhalten könnten. Eine Folgenabschätzung lehne Deutschland allerdings ab, da diese den Gesetzgebungsprozess unnötig verzögern würde, erklärte Özdemir.