Nicht viel auf Lager: Pfeifer & Langen glaubt an eine positive Marktentwicklung

Foto: Detlef Steinert

Dr. Hermann Schmitz, Leiter Landwirtschaft bei Pfeifer & Langen, sieht mehrere Indizien dafür, dass die Zuckerpreise wieder steigen. Diese Einstellung vermittelte er im Rahmen eines Pressegesprächs am Donnerstag vergangener Woche im Werk Appeldorn. Eines der wichtigsten Signale bestünde darin, dass der Lebensmittel-Discounter Aldi kürzlich die Ladenpreise um 27 % auf nunmehr 75 Cent/kg angehoben hat. Schmitz zufolge hat der Chefeinkäufer von Aldi vor Kurzem deutlich gemacht, dass die Anhebung keine Eintagsfliege sei. Dass die Aussage zutreffen könnte, begründete Schmitz auch damit, dass die Kontrakte mit dem Handel im Regelfall mindestens ein Jahr laufen und auch Lidl signalisiert habe, im Preis nachzuziehen. Die Haltung des Lebensmittelhandels unterstreicht wohl auch ein weiterer Aspekt. So sei der an Lieferstabilität interessiert und „nicht an brennenden Wäldern“, sagte Schmitz mit Blick auf das Mercosur-Abkommen.

Priorität für die heimische Rübe

Insgesamt schätzte Schmitz die Versorgung mit Zucker eher knapp ein. Für das Wirtschaftsjahr 2018/19 rechnet Pfeifer & Langen mit einem Zuckerendbestand von 1,7 Mio. t in der EU. Dieser dürfte laut Schätzung – bei gleichbleibender Erzeugung in Höhe von 18,2 Mio. t und gleichbleibendem Verbrauch (19,1 Mio. t) – zum 30. September 2020 auf 1,3 und zum 30. September 2021 sogar auf 1,0 Mio. t absinken. Um vor diesem Hintergrund den Abnehmern Versorgungsstabilität zu gewährleisten und „weiter auf Augenhöhe“ mit ihnen verhandeln zu können, plant Pfeifer & Langen, im kommenden Jahr im Werk Euskirchen wieder Rohrohrzucker zu raffinieren. Die Priorität liegt für das Unternehmen dennoch weiterhin auf Zucker aus der heimischen Rübe. Doch hier ist absehbar, dass sich die Versorgung mit heimischen Rohstoffen weiterhin rückläufig entwickeln dürfte. So geht Dr. Schmitz auch für 2020 von einem Rückgang der Rübenanbaufläche in der EU um 4,8 % aus, nachdem sie bereits 2019 um 4,4 % eingeschränkt worden war; das wären nochmals rund 70 000 ha weniger in der gesamten EU.

Optimismus schöpft Dr. Schmitz auch aus der globalen Konsumentwicklung. Weltweit werde der Zuckerkonsum weiter zunehmen, auch in Europa. „Wir befinden uns in einem Wachstumsmarkt“, gibt er sich deshalb zuversichtlich, obwohl Südzucker und Nordzucker rote Zahlen schreiben und „es bei uns nicht anders ist“. Im Verbund stützten die anderen Unternehmen, die zu Pfeifer & Langen gehören, derzeit den Zuckerbereich. Sein Vertrauen in die heimische Erzeugung unterstreicht das Unternehmen derzeit mit Investitionen in Höhe „eines mittleren dreistelligen Millionenbetrages in alle Verarbeitungsstandorte“. „Wir sehen den Rübenanbau nach wie vor als zentrale Rohstoffbasis“, erklärte Schmitz daher. Gleichwohl setze das Unternehmen auch auf Innovationen, um für regionalen Zucker neue Absatzchancen zu erschließen. So sei es dem Tochterunternehmen Savanna in Elsdorf gelungen, den kalorienfreien Zucker Allulose nunmehr nicht nur in flüssiger, sondern auch in kristalliner Form herzustellen. Damit eröffneten sich neue Möglichkeiten, dieses Produkt auch beim Backen und Kochen einzusetzen.

Was machen die Preise?

Trotz aller Zuversicht, für die Bauern bleibt der Preis Dreh- und Angelpunkt. Dr. Schmitz verwies auf die Anpassungen im Zahlungsmodus. So wurde mit dem Rübenanbauerverband sowohl für das Flex- als auch das Sicherheitsmodell für 2020 eine Anhebung der Rübenpreise vereinbart. Das soll das Streben nach einer langfristigen partnerschaftlichen Zusammenarbeit unterstreichen. Im August sei Weißzucker im europäischen Rübengürtel (Niederlande, Belgien, Frankreich, Großbritannien und Deutschland) noch für gut 310 € / t gehandelt worden. „Das passt allerdings nicht zu der Prognose“, räumt Dr. Schmitz ein. Dass das Preisniveau noch hinterherhinkt, dafür führte Schmitz  Entwicklungen aus der Vergangenheit als Gründe an. So würden die Kontrakte nachwirken, „die 2018 auf Basis der Mengen des Supererntejahres 2017 abgeschlossen wurden“.

Mittlerweile sei am europäischen Markt insgesamt ein Aufwärtstrend zu spüren. So paradox es zunächst wirken mag, für Dr. Schmitz liegt auch in der Entwicklung des Zuckerimports ein Hinweis, dass es mit den Preisen aufwärts gehen dürfte. Die knappe Versorgung in 2018/19 in der EU ließ die Importe innerhalb eines Jahres um mehr als die Hälfte auf 1,9 Mio. t ansteigen; 2019/20 dürften die Einfuhren noch einmal um 100 000 t zulegen. Für Importe müssten, so Dr. Schmitz, aber mittlerweile deutlich höhere Preise gezahlt werden. Das dürfte den Preis für Inlandsware mitziehen. ds