Vor falschen Schnellschüssen bei der Wasserversorgung von Obstkulturen in Deutschland hat der Bundesauschuss Obst und Gemüse (BOG) gewarnt. Hintergrund sind offenbar von Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer angestellte Überlegungen, den Anbau von Sonderkulturen wie Erdbeeren aufgrund ihres höheren Wasserbedarfs zu verbieten.
Dies würde die Versorgung mit einheimischen Lebensmitteln gefährden und ziele am grundsätzlichen Problem vorbei, stellte der BOG in der vergangenen Woche in Berlin fest. „Statt also mit falschen Vergleichen auf Verbote zu setzen, müssen wir gemeinsam an Lösungen arbeiten“, forderte der BOG-Vorsitzende Jens Stechmann. Der Vorsitzende der Fachgruppe Obstbau im Landvolk Niedersachsen, Claus Schliecker, wies darauf hin, dass der Wasserbedarf deutscher Erdbeeren im Vergleich zu anderen europäischen Produzenten geringer sei. Zuletzt hatte dem BOG zufolge Ökotest für 1 kg Erdbeeren einen Frischwasserverbrauch von 16 l in Deutschland im Vergleich zu 79 l in Spanien ermittelt. Für Stechmann zeigt dies, dass in Gunstregionen wie hierzulande zumindest die heimische Bevölkerung versorgt werden sollte.
Zugleich stellten Stechmann und Schliecker klar, dass sich darauf nicht ausgeruht werden dürfe und weiter an effizienten Bewässerungstechniken sowie der Brauchwasser- und Salzwasseraufbereitung geforscht und gearbeitet werden müsse. Kurz- und mittelfristig sehen sie im Ausbau von Speicherbecken ein Lösungselement. Allerdings bremsten bürokratische Hürden und der hohe Investitionsbedarf in Deutschland derzeit die Obst- und Gemüsebaubetriebe.
Niedersachsens Umweltminister hatte vorvergangene Woche bei der Präsentation des neuen Grundwasser-Informationsportals davor gewarnt, dass mit weiter steigenden Temperaturen und sinkenden Grundwasserpegeln die „Wasserschere“ weiter auseinandergehe. Daher seien umfangreiche und belastbare Werte notwendig, um mit entsprechenden Maßnahmen gegensteuern zu können. „Vor allem aber sollten wir unser wertvolles Grundwasser besser schützen und nicht verschwenden“, sagte Meyer.