Nur die ganze Gans

Direktvermarkter Nikolas Weber erlebt in diesem Jahr eine höhere Nachfrage in seinem Hofladen

Foto: Andrea Hornfischer

Lebendig schnatternd bewegen sich die Gänse auf der Weide. „Gänse, die auf der Weide laufen, können einfach viel mehr Muskelmasse aufbauen und das schmeckt man später. Durch die Bewegung wird ihr Fleisch besonders zart und aromatisch“, betont Direktvermarkter Nikolas Weber aus Essen-Schuir. 900 Gänse laufen in diesem Jahr auf seiner Weide. Hat er wegen der Coronapandemie und eventuell ausfallender Gänse-Essen zu Sankt Martin weniger Tiere aufgestallt? „Nein, die Entscheidung über die Anzahl an Küken musste ich bereits im Februar treffen, als es noch kein Coronavirus gab. In diesem Jahr sind es etwa 60 Küken mehr als im Vorjahr. Wir wollen kontinuierlich und der Marktnachfrage entsprechend wachsen“, erklärt der 38-jährige Ehemann und Vater einer Tochter. Mit 400 Gänsen hat Familie Weber vor rund 20 Jahren die Gänsehaltung begonnen. Inzwischen bewirtschaftet Nikolas Weber den Betrieb in der neunten Generation.

Bei der Vermarktung ist Nikolas Weber wichtig, dass es nachhaltig ist. „Daher bieten wir dem Kunden auch nur die ganze Gans an, anstatt nur die Edelteile einzeln zu verkaufen“, sagt er. Zwischen 4 und 6 kg bringen die weiblichen und männlichen Tiere auf die Waage. „Man rechnet 1 kg Gans pro Person. Eine Familie bekommt man mit einem männlichen Tier auf jeden Fall satt“, hat er die Erfahrung gemacht. Zur Nachhaltigkeit gehört auch, dass die Küken von einem regionalen Kollegen in Kevelaer bezogen werden. Anfang Mai schlüpfen die Küken und kommen im Alter von drei Wochen auf den Betrieb in Essen-Schuir. Tagsüber sind sie draußen, nachts wegen der vielen Füchse im Stall.

Frisch anbieten

Die Weihnachtsgänse werden unmittelbar vor dem Fest in der Weihnachtswoche geschlachtet. Denn Weber legt Wert darauf, dass die Gänse frisch angeboten werden. „Das ist ein riesiger logistischer Aufwand für uns, aber es lohnt sich. Denn eine frisch geschlachtete Gans hat eine bedeutend höhere Geschmacksqualität“, hebt er hervor. Die Kunden scheinen die Qualität zu schätzen. Denn bereits ab dem 1. Oktober füllen sich die Bücher mit den Vorbestellungen für die Weihnachtsgänse. „In diesem Jahr werden sie wohl schneller ausverkauft sein. Die Nachfrage ist jetzt bereits hoch“, so Weber.

90 % der Kunden kommen dabei aus einem Umkreis von 10 km. In Sachen Werbung ist der Betrieb kaum aktiv und setzt auf Mund-zu-Mund-Propaganda. Die Website überzeugt mit einer ansprechenden Gestaltung. Und das reicht vollkommen an Marketing aus. „Seit der Coronapandemie erleben wir zudem wie viele Direktvermarkter einen höheren Zulauf im Hofladen. Die Kunden wollen wissen, wo ihr Essen herkommt und wie die Tiere aufwachsen“, meint der Landwirtschaftsmeister und gelernte Handelsfachwirt. „Darüber hinaus essen die Menschen seit März mehr zu Hause und kaufen dann auch anders ein, zum Beispiel bei uns.“

Nur für den Hofladen

Familie Weber hält nur so viele Tiere und baut nur so viel Gemüse an, wie sie über den Hofladen verkaufen kann. Dafür sind das viele verschiedene Lebensmittel. So hält sie an Geflügel neben den Gänsen noch Puten, Hähnchen, Stockenten, Hühner und Perlhühner, spanische Iberico-Schweine und Schwäbisch-Hällische Urschweine sowie Schafe zum „Rasenmähen“.

Auf den 70 ha Fläche baut die Familie über 25 verschiedene Gemüsesorten, wie Kürbisse, Rot- und Grünkohl, Kartoffel sowie Obst, etwa Äpfel und Pflaumen, Birnen und Beeren, an. Im Hofladen gibt es auch regional erzeugte Produkte von Kollegen, wie Käse und andere Milchprodukte. „Mit unserem Diversifizierungskonzept sind wir quasi ein Tante-Emma-Laden. Wenn die Großen größer werden, bleibt Platz für eine Nische, wie wir sie betreiben. Wir wollen breit aufgestellt sein. Alle Türen sind offen. Die Kunden können in alle Ställe reingucken. Dafür möchte ich keinen Eintritt nehmen, sondern das ist unsere Art, neben vielen Gesprächen, der Aufklärung über die Erzeugung von Lebensmitteln“, sagt er abschließend.       Ah