Als „wichtigen Schritt in die richtige Richtung“ hat der Agrarökonom Prof. Uwe Latacz-Lohmann von der Universität Kiel die Beschlüsse des Rates und des Europaparlaments zur Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) bezeichnet. Lobend hebt der Lehrstuhlinhaber für „Landwirtschaftliche Betriebslehre und Produktionsökonomie“ im Interview mit Agra-Europe hervor, dass es Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner gelungen sei, in der Ersten Säule einen Mindestanteil für die Eco-Schemes von 20 % verpflichtend zu reservieren. Damit komme die zukünftige GAP dem Grundsatz „öffentliche Gelder für öffentliche Leistungen“ ein ganzes Stück näher. Überdies schlage das Parlament sogar 30 % vor. Sollte sich der Rat mit seinem Vorschlag durchsetzen, wären dies allein in Deutschland rund 1 Mrd. €/Jahr. Ein „Wehmutstropfen“ sei dagegen die Position der Mitgliedstaaten, eine sogenannte Lernphase für die ersten beiden Jahre der kommenden Reform einzuführen. Zugleich warnt Latacz-Lohmann vor einem „Green-Washing“ durch die Eco-Schemes. Seiner Ansicht nach besteht die Gefahr, dass EU-Staaten, die den Eco-Schemes ablehnend gegenüberstehen, weniger ambitionierte Programme auflegen könnten. Die Folge wären „geringe Anpassungskosten in den Betrieben, eine hohe Einkommenswirksamkeit der Prämien für die Eco-Schemes und geringe Umwelteffekte“.
Außerdem begrüßt er die Forderungen des geschäftsführenden Vizepräsidenten der EU-Kommission und Klimakommissars Frans Timmermans nach „nachdrücklicheren“ Positionen der beiden Co-Gesetzgeber zum Umweltniveau der GAP. „Hier etwas Gas zu geben, ist sicherlich richtig“, so der Agrarökonom. Grundsätzlich leidet die Diskussion um die Zukunft der GAP seines Erachtens unter einer sogenannten „Pfadabhängigkeit des Denkens“. Demnach sei die bisherige EU-Agrarpolitik geprägt vom Entwicklungspfad der GAP in der Vergangenheit. Diese „Politikerbschaft“ schränke jedoch die Kreativität ein. Wenn man dagegen mit einem „weißen Blatt“ beginnen könnte, würde man sich nicht ein kompliziertes System aus Konditionalität, Eco-Schemes und Agrarumweltmaßnahmen der Zweiten Säule ausdenken. Vielmehr würde man Politikmaßnahmen entwickeln, mit denen sich die Ziele der GAP möglichst effektiv erreichen ließen, zeigt sich der Wissenschaftler überzeugt. AgE