Deutschland ist Waldland. Ein Drittel der Landfläche ist mit Wald bedeckt. Doch der Zustand der heimischen Wälder bleibt besorgniserregend: Laut aktueller Waldzustandserhebung 2024 des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) weisen weiterhin vier von fünf Bäumen Schäden auf. Die Situation hat sich im Vergleich zum Vorjahr kaum verbessert. Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer sagte: „Ich sehe das mit Sorge – und mit Verantwortung: Denn der Wald ist mehr als Natur. Er ist Lebensraum, Klimaschützer und Wirtschaftsfaktor. Als nachwachsender Rohstoff sichert Holz Arbeitsplätze und Wohlstand auf dem Land und in den Städten. Waldschutz ist Heimatschutz.“ Wälder nachhaltig zu bewirtschaften, sei auch in Zukunft eine wichtige Aufgabe.
Für die Jahre 2019 bis 2024 wurde von den Ländern insgesamt ein Wiederbewaldungsbedarf von etwa 525 000 ha gemeldet. Seit 2022 hat der Bund und die Länder gemeinsam über die Gemeinschaftsaufgabe Agrar- und Küstenschutz mehr als 200 Mio. € in Wiederbewaldung und Waldumbau auf knapp 50 000 ha Waldfläche investiert. Zusammen mit dem Förderprogramm „Klimaangepasstes Waldmanagement“ des BMLEH, das ein Finanzvolumen von rund 135 Mio. € pro Jahr hat, stehen damit Mittel für Investitionen in die Wiederaufforstung, die Entwicklung und den Erhalt der Wälder zur Verfügung. Mit dem Förderprogramm werden derzeit rund 1,5 Mio. ha Privat- und Kommunalwald erreicht.
Ergebnisse
Seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1984 hat der Anteil der deutlichen und mittleren Kronenverlichtung, also der sichtbare Blatt- beziehungsweise Nadelverlust, aller Baumarten zugenommen. Im Jahr 2019 konnten die deutlichsten Veränderungen beobachtet werden. Insgesamt befinden sich die Schäden seitdem weiterhin auf einem sehr hohen Niveau und haben sich je nach Baumart im Vergleich zum Vorjahr gar nicht oder nur sehr geringfügig verändert. Es haben sich keine deutlichen Verbesserungen des Waldzustands eingestellt, aber auch keine deutliche Verschlechterung im Vergleich zu 2023.
Bei der Fichte ist der Anteil der deutlichen Kronenverlichtungen von 43 % auf 39 % gesunken. Auf die Warnstufe entfielen unverändert 40 %. Ohne Verlichtungen waren es 21 % (2023: 17 %). Die mittlere Kronenverlichtung ist von 28,6 % auf 27,2 % leicht gesunken. Im Vergleich zu den anderen Hauptbaumarten weist die Fichte die höchste Absterberate auf.
Bei der Kiefer blieb der Anteil der deutlichen Kronenverlichtungen im Vergleich zum Vorjahr unverändert bei 24 %. Auf die Warnstufe entfielen im Jahr 2024 56 % (2023: 53 %). Der Anteil ohne Verlichtungen ist von 23 % auf 20 % gesunken. Die mittlere Kronenverlichtung stieg 2024 geringfügig von 22,3 % auf 22,5 %.
Auch bei der Buche verblieb der Anteil der deutlichen Kronenverlichtung mit 46 % auf dem Niveau des Vorjahres. Auf die Warnstufe entfielen 36 % (2023: 39 %). Der Anteil ohne Verlichtungen hat sich mit 18 % (2023: 15 %) leicht verbessert. Die mittlere Kronenverlichtung ist mit 28,5 % unverändert.
Die Eiche ist das traurige Schlusslicht: Bei der Eiche ist der Anteil der deutlichen Kronenverlichtungen von 44 % auf 51 % gestiegen. Der Anteil der Warnstufe sank dagegen leicht von 39 % auf 33 %. Auch der Anteil ohne Verlichtungen sank leicht um einen Prozentpunkt von 17 % auf 16 %. Die mittlere Kronenverlichtung ist von 27,6 % auf 29,3 % gestiegen.
Die Waldzustandserhebung 2024 gibt es hier.